Aktuelles

Anthropic lässt verifizierte Lebenswissenschaftler auf Antrag alle Sicherheitsschranken einzelner Projekte abschalten

Anthropic ersetzt die pauschale Modellsperre für Biologiefragen durch ein Antragsverfahren, das für einzelne Forschungsprojekte sämtliche Schutzmaßnahmen entfernen kann, während ein ganzes Team weiterhin nur die gefilterte Standardfreigabe erhält.

MeldungRegeln

Was das Programm ändert

Anthropic hat am 17. September das Life Sciences Verification Program (LSVP) vorgestellt. Über ein Antragsverfahren erhalten verifizierte Fachleute aus den Lebenswissenschaften Zugang zu den Modellen Mythos, Opus und Sonnet, mit Schutzmaßnahmen, die für biologiebezogene Arbeit durchlässiger sind als in den frei verfügbaren Fable-Modellen. Im Bericht heißt es dazu, das Programm „gives life science professionals access to our Mythos, Opus, and Sonnet models with a refined set of safeguards more permissive for biology-related work“. Vor dem offenen Start lief bereits eine frühe Phase, in der laut Anthropic Dutzende Organisationen angebunden wurden, jetzt öffnet sich die Bewerbung für die breitere Fachgemeinschaft. Der Start erfolgt in Beta und zunächst für Teams und Institutionen, einzelne Pro- und Max-Konten sollen nach und nach folgen.

Zwei Stufen statt einer Schranke

Wer sich verifizieren lässt, durchläuft eine Prüfung von Forschungsnachweisen, Sicherheitsstandards und ethischer Forschungsaufsicht. Danach stehen zwei Arten von Freigaben offen. Standard Use deckt den größten Teil der Arbeit in den Lebenswissenschaften ab, von der Grundlagenforschung über Entwicklung, Lieferkette und Fertigung bis zu klinischer Entwicklung, Qualitätssicherung, Zulassungsfragen sowie Investitions- und Prüfungsarbeit. Diese Freigabe gilt für ein ganzes Team, wird einmal jährlich erneuert und greift für Mythos 5.1, Opus 5 und Sonnet 5 sowie für künftige Modelle.

High-risk Use setzt darüber an, für Arbeit, die unter Standard Use gesperrt bleibt. Diese Freigabe gilt laut Anthropic für ein einzelnes Forschungsprojekt, nicht für ein ganzes Team, muss alle sechs Monate erneuert werden und geht weiter als die Standard-Freigabe: Sie entfernt sämtliche Schranken, die Anfragen aus den Lebenswissenschaften blockieren, im Wortlaut des Berichts „removes all safeguards that block life sciences requests“. Als Beispiel nennt Anthropic ein Projekt, das untersucht, wie eine bestimmte Familie viraler Vektoren von menschlichen Immunwegen erkannt wird.

Welche Annahme kippt

Im August hatte Anthropic die Lockerung für Biologie-Anfragen noch als Eigenschaft des Modells selbst beschrieben, eine Schranke, die für alle Nutzer gleich verläuft und Virologie weiterhin ausklammert. Das LSVP verschiebt diese Grenze vom Modell auf den Antrag. Die Schranke war bislang eine feste Eigenschaft der frei verfügbaren Modelle, jetzt ist sie das Ergebnis einer Prüfung, die für ein einzelnes Projekt sämtliche Schutzmaßnahmen entfernen kann, solange Verifizierung und halbjährliche Erneuerung bestehen bleiben. Ob damit auch die im August benannte Sperre für virologische Fragen im Einzelfall fällt, sagt der Bericht nicht ausdrücklich. Das Beispiel mit den viralen Vektoren deutet in diese Richtung, denn es beschreibt genau die Art von Arbeit, die zuvor als gesperrt galt.

Was der Bericht nicht hergibt

Wie viele der Antragstellenden aus der frühen Phase abgelehnt wurden, steht nicht im Text, ebenso wenig ein Zeitpunkt für den Zugang einzelner Pro- und Max-Konten außerhalb von Teams und Institutionen. Was die „ethical research oversight“ im Einzelnen prüft, wird nicht ausgeführt, und wer über strittige Fälle entscheidet, bleibt offen. Ob eine erteilte High-risk-Freigabe die im August benannte Sperre für virologische Anfragen tatsächlich aufhebt oder ob diese daneben fortbesteht, lässt sich aus der Ankündigung allein nicht ablesen.

Quellen

1 Eintragalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

Alle Meldungen

Tippen Sie los.

↑↓ auswählenEnter öffnenDie Suche läuft im Browser. Nichts wird übertragen.