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Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

GrundlagenGrundkursKapitel 05von 16 im Pfad

Der Prompt

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 6 Min. · Stand

Zuerst die einfache Antwort

Ein Prompt ist das, was Sie eintippen. „Fasse mir diesen Text zusammen“, „Schreib mir eine Antwort auf diese E-Mail“, „Erklär mir das für ein Kind“. Sie schreiben etwas, das Modell antwortet darauf. So begegnet einem der Begriff zuerst, und für den Anfang reicht das.

Warum die einfache Antwort zu kurz greift

Wenn Sie in ChatGPT eine Frage stellen, kommt beim Modell mehr an als Ihre Frage. Davor steht, für Sie unsichtbar, noch einiges:

Was beim Modell ankommt, von oben nach unten
  1. SystemanweisungRolle, Grenzen, TonAnbieter
  2. Tool-Beschreibungenwas das Modell aufrufen darfAnbieter
  3. Gesprächsverlaufalles bisher Gesagteentsteht
  4. Dokumente und KontextMaterial zur AufgabeSie oder eine Suche
  5. Ihre Nachrichtdie eigentliche AnweisungSie

Für das Modell ist das ein einziger Text, nicht fünf Felder.

Ihre Nachricht steht ganz unten. Sie heißt Nutzereingabe oder User-Prompt und ist der Teil, den Sie beeinflussen. Sie ist nicht der ganze Prompt.

Die genaue Antwort

Ein Prompt ist alles, was das Modell sieht, bevor es das nächste Token wählt. Alle Bausteine von oben zusammen, hintereinander in einem Fenster. Der Teil, den Sie tippen, ist einer davon:

Ihre Nachricht im Verhältnis zum Rest
  1. SystemanweisungRolle, Grenzen, TonAnbieter
  2. Tool-Beschreibungenwas das Modell aufrufen darfAnbieter
  3. Gesprächsverlaufalles bisher Gesagteentsteht
  4. Dokumente und KontextMaterial zur AufgabeSie oder eine Suche
  5. Ihre Nachrichtdie eigentliche AnweisungSie

Hervorgehoben: Ihre Nachricht.

Dabei hilft es, zwei Ebenen auseinanderzuhalten. Das Programm, über das Sie gehen, hat durchaus Regler, und wo die sitzen, steht in Kapitel 12. Das Modell selbst hat keine: keine Schalter, keine Befehle, keine Einstellungen, die man irgendwo hinterlegt. Es hat ein Kontextfenster, und da liegt Text drin.

Was daraus folgt, gilt für jedes Modell und jeden Anbieter:

Es gibt eine Rangordnung, und sie ist weich. Die Teile sind unterschiedlich beschriftet, und die Beschriftung hat eine vorgesehene Ordnung: Was der Anbieter vorn hineinschreibt, geht dem vor, was Sie tippen. Eingehalten wird sie vom Modell, weil es darauf trainiert wurde, und aus demselben Grund kann es sie im Einzelfall übergehen. Ein eingefügtes Dokument hat dabei dieselbe Beschriftung wie Ihre Anweisung daneben, seine Sätze können also als Anweisung gelesen werden. Daher die Angriffsform, die später im Kapitel über Agenten vorkommt.

Was weder im Fenster noch in den Gewichten steht, existiert nicht. Aus dem Training weiß ein Modell eine Menge. Es weiß aber nicht, was Sie im letzten Chat besprochen haben, welche Datei auf Ihrem Schreibtisch liegt oder welchen Ton Ihre Firma verwendet. Das muss ins Fenster.

Der Platz ist begrenzt und kostet. Gemessen wird in Token, wie in Kapitel 03 beschrieben. Jede Zeile Anweisung nimmt Platz weg, den der eigentliche Inhalt braucht.

Diese drei Sätze beschreiben die Bauform und halten länger als jede Modellversion. Alles Weitere ist Kalibrierung, und Kalibrierung ändert sich. Wie schnell, zeigt der nächste Abschnitt.

Und wie schreibt man nun einen guten?

Das ist eine andere Frage, und sie hat ein eigenes Kapitel bekommen. Der Grund steht schon in diesem: Was ein Prompt ist, ändert sich nicht. Was man sinnvollerweise hineinschreibt, ändert sich mit jeder Modellversion, und zwar schneller, als die meisten Ratgeber nachkommen.

Weiter geht es in Kapitel 06.

Quellen

7 Einträge, davon 4 Schlüsselarbeitenalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitDokumentationerreichbar

    Anthropic, Messages API reference (externe Seite, platform.claude.com)

    platform.claude.comgeprüft 24.09.2026

    Die Beschreibung der Regler, die dieser Anbieter für die Ziehung anbietet. Unter `temperature` steht dort „Amount of randomness injected into the response“ und der Zusatz, dass die Ergebnisse auch bei 0,0 nicht vollständig wiederholbar sind; An `top_p` steht der Hinweis „Recommended for advanced use cases only“. Unter `top_p` steht außerdem, wie die Auswahl zustande kommt, und zwar in der ersten Person Mehrzahl: „we compute the cumulative distribution over all the options for each subsequent token in decreasing probability order and cut it off once it reaches a particular probability specified by `top_p`“. Das belegt, wo die Ziehung stattfindet: beim Anbieter. Dieselbe Seite belegt zweitens, wie dieser Anbieter die Rollen führt. Zu den Nachrichten steht dort „Our models are trained to operate on alternating `user` and `assistant` conversational turns“, die Trennung kommt also aus dem Training. Die Systemanweisung steht dabei außerhalb der Nachrichtenliste: Zum Feld `system` heißt es dort, für Eingabenachrichten gebe es in dieser Schnittstelle keine Rolle dieses Namens. Abgerufen am 06.08.2026. Wie viele Regler die Seite insgesamt führt, ist von hier aus nicht zu messen: Sie lädt ihre Parameterliste nicht in den sichtbaren Text, siehe die Notiz.

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    OpenAI, Model Spec (externe Seite, model-spec.openai.com)

    model-spec.openai.comgeprüft 24.09.2026

    Die veröffentlichte Verhaltensspezifikation eines Anbieters. Sie belegt, dass Anweisungen aus verschiedenen Rollen eine vorgesehene Rangfolge haben: Der Abschnitt „chain of command“ staffelt Root, System, Developer, User und Guideline und regelt, welche Ebene sich bei einem Konflikt durchsetzt. Verlinkt ist die datierte Fassung vom 18.12.2025, weil eine spätere den Wortlaut ändern kann und ein Zitat dann als fehlend gemeldet würde. Abgerufen am 06.08.2026.

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    Training language models to follow instructions with human feedback (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 24.09.2026

    Ouyang und Mitautoren zeigen am 04.03.2022, dass ein deutlich kleineres, mit menschlicher Rückmeldung nachtrainiertes Modell hilfreicher antwortet als ein sehr viel größeres ohne. Das ist der Schritt, der aus einem Textfortsetzer einen Assistenten macht, und die Voraussetzung für ChatGPT acht Monate später.

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts (externe Seite, aclanthology.org)

    aclanthology.orggeprüft 24.09.2026

    Die Arbeit von Nelson F. Liu und sechs weiteren, aus der der Ausdruck stammt. Sie misst, wie sich die Antwortgüte ändert, wenn dieselbe Information an verschiedenen Stellen eines langen Kontexts steht, und findet einen U-förmigen Verlauf: Anfang und Ende werden zuverlässig genutzt, die Mitte nicht. Erschienen in den Transactions of the Association for Computational Linguistics 2024, DOI 10.1162/tacl_a_00638.

  • Originalarbeiterreichbar

    Found in the Middle: Calibrating Positional Attention Bias Improves Long Context Utilization (externe Seite, aclanthology.org)

    aclanthology.orggeprüft 24.09.2026

    Cheng-Yu Hsieh und zehn weitere liefern die Erklärung hinter dem Befund: Die Aufmerksamkeit verteilt sich U-förmig über die Eingabe, Anfang und Ende bekommen mehr davon, und zwar unabhängig davon, wie wichtig die Stelle ist. Damit hängt der Effekt an der Position statt am Inhalt. Erschienen in den Findings of the ACL 2024.

  • Originalarbeiterreichbar

    Evaluating Language Model Context Windows: A Working Memory Test and Inference-time Correction (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 24.09.2026

    Amanda Dsouza, Christopher Glaze, Changho Shin und Frederic Sala prüfen den Effekt am 04.07.2024 an den damals stärksten Modellen und nennen sie beim Namen: Auch GPT-4 und Claude 3 Opus verlieren, wenn die gesuchte Angabe in der Mitte steht. Damit ist belegt, dass es weder an einem Hersteller noch an einer schwachen Modellklasse liegt.

  • Originalarbeiterreichbar

    Mitigate Position Bias in LLMs via Scaling a Single Hidden States Channel (externe Seite, aclanthology.org)

    aclanthology.orggeprüft 24.09.2026

    Yijiong Yu und acht weitere zeigen 2025, dass der Effekt bei Modellen mit langem Kontextfenster fortbesteht, und führen ihn auf bestimmte Kanäle in den verborgenen Zuständen zurück. Der Beleg dafür, dass ein größeres Fenster die Sache nicht erledigt. Erschienen in den Findings of the ACL 2025.

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