Tiefe
Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

GrundlagenVibe-Coding / Agentic EngineeringKapitel 05von 13 im Pfad

Das Gedächtnis

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 9 Min. · Stand

Fangen wir mit der unangenehmen Hälfte an: Ein Sprachmodell hat kein Gedächtnis. Es erinnert sich an keine einzige vergangene Sitzung, und daran ändert auch das beste Werkzeug nichts.

Was es gibt, ist etwas anderes, und es funktioniert überraschend gut: Der Agent sieht zu Beginn jeder Sitzung an denselben Stellen nach. Was dort steht, weiß er. Was nicht dort steht, ist weg.

Damit wird aus einer Frage über Erinnerung eine Frage über Orte.

Fünf Orte

Das Gespräch selbst. Alles, was Sie in dieser Sitzung gesagt haben, steht im Kontextfenster und wirkt sofort. Es ist der schnellste Ort und der einzige flüchtige: Beim nächsten Start ist er leer.

Die Projektanweisung. Was Sie einmal hineingeschrieben haben, steht in jeder Sitzung wieder da, wortgleich. Sie ist der Ort für alles, was immer gilt, und Gegenstand von Kapitel 03.

Die Notizen des Werkzeugs. Neuere Agenten schreiben sich selbst auf, was ihnen aufgefallen ist: welcher Baubefehl der richtige ist, welche Korrektur Sie zweimal getippt haben, welche Eigenart dieses Projekt hat. Der Hersteller nennt das automatisches Gedächtnis, und Sie füllen es nicht selbst.

Das Projekt. Der Code steht ohnehin da und lässt sich lesen. Dazu kommt die Historie: Branch, Zustand und die letzten Commits gehören zu dem, was der Agent beim Start vor sich hat, ohne dass jemand danach fragt. Warum das mehr ist als eine Formalie, steht in Kapitel 04.

Was daneben liegt. Notizen, Entscheidungen, eine Wissensbasis: alles, was Sie außerhalb des Projekts führen und ihm zugänglich machen. Der Ort mit der größten Reichweite und dem meisten Aufwand, siehe Kapitel 06.

Fünf Orte um den Agenten herum, verschieden weit entfernt. Fünf Orte um den Agenten herum, geordnet nach dem Aufwand, dort nachzusehen. WO EIN AGENT NACHSIEHT Agent liest Das Gespräch weg beim nächsten Start Projektanweisung Sie schreiben sie Selbstnotizen er schreibt sie Code und Historie liegt ohnehin da Wissensbasis über Projekte hinweg DURCHGEZOGEN NAH, GESTRICHELT FLUECHTIG

seitlich verschiebbar

Ein Agent erinnert sich nicht, er sieht nach. Fünf Orte, verschieden beständig, verschieden gefüllt.

eigene Darstellung, Stand 03.08.2026

Wer welchen Ort füllt

Die Aufteilung ist der praktisch wichtigste Teil dieses Kapitels, weil sie darüber entscheidet, wo Sie etwas hinschreiben.

OrtWer schreibtWie lange
GesprächSie und der Agentdiese Sitzung
ProjektanweisungSiedauerhaft
Notizen des Werkzeugsder Agentdauerhaft, auf diesem Rechner
Code und Historiebeidedauerhaft, geteilt
Wissensbasis danebender Agent, von Ihnen gelenktdauerhaft, über Projekte hinweg

Zwei Spalten lohnen einen zweiten Blick. Die Notizen des Werkzeugs sind maschinenlokal: Sie liegen außerhalb des Projekts und gehen an keinen Kollegen. Die Historie dagegen ist geteilt, weshalb eine Commit-Nachricht auch für andere lesbar sein sollte.

Was das Verdichten damit macht

Das gilt für eine Sitzung, die im Gespräch wächst, so wie es dieser Kurs durchgehend voraussetzt. Ein Agent, der stattdessen einmalig für eine Aufgabe aufgerufen wird und sich danach beendet, so wie es in einer Automatisierung üblich ist, kennt das Problem nicht: Er beginnt jedes Mal mit leerem Gespräch.

Lange Sitzungen werden irgendwann zusammengefasst, damit das Kontextfenster nicht überläuft, von selbst kurz bevor es voll ist oder von Hand, wenn Sie es anstoßen. Das Gespräch wird dabei ersetzt und geht durch die Hand desjenigen, der die Zusammenfassung schreibt.

Für die fünf Orte heißt das:

  • Projektanweisung und Notizen des Werkzeugs werden neu von der Platte gelesen. Sie stehen danach wieder vollständig da.
  • Code und Historie liegen ohnehin auf der Platte und lassen sich jederzeit erneut lesen.
  • Das Gespräch hängt an der Zusammenfassung. Was für wichtig gehalten wurde, überlebt.

Daraus folgt die Gewohnheit, die diesem Kapitel zugrunde liegt: Wenn Sie dieselbe Sache zum zweiten Mal erklären, gehört sie an einen der vier dauerhaften Orte.

Ein Hebel, den viele nicht kennen

Das Verdichten lässt sich lenken. Man kann dem Befehl mitgeben, worauf die Zusammenfassung achten soll, und die Dokumentation beschreibt den Unterschied nüchtern:

The summary keeps what you choose instead of what the automatic pass guesses is important. (externe Seite, code.claude.com)

Wer eine lange Fehlersuche hinter sich hat und gleich weiterarbeiten will, sollte diesen Zusatz benutzen. Er kostet fünf Wörter.

Quellen

3 Einträge, davon 1 Schlüsselarbeitalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitDokumentationerreichbar

    Anthropic, How Claude remembers your project (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 24.09.2026

    Die Herstellerdokumentation zur Projektanweisung und ihren Geltungsbereichen. Sie ist die Quelle für den Satz, auf dem dieses Kapitel steht: Die Datei ist Kontext, keine durchgesetzte Konfiguration, wer etwas verbindlich verhindern will, braucht einen Hook. Dazu die Ladereihenfolge über vier Ebenen, die Größenempfehlung von 200 Zeilen und die Auskunft, dass Claude Code seit Version 2.1.277 auch AGENTS.md selbst liest, standardmäßig aber nur, wenn keine CLAUDE.md im Projekt liegt. Sie belegt außerdem, dass die Datei beim ersten Mal vom Werkzeug erzeugt wird, und beschreibt daneben das zweite Gedächtnis: Notizen, die der Agent sich selbst anlegt, je Repository unter einem eigenen Verzeichnis, maschinenlokal, und beim Start geladen bis zur Grenze von 200 Zeilen oder 25 Kilobyte.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Explore the context window (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 24.09.2026

    Die Herstellerseite zum Kontextfenster, aufgebaut als begehbare Simulation einer Sitzung. Sie ist die Quelle für den Satz, dass das Verdichten das Gespräch durch eine strukturierte Zusammenfassung ERSETZT, statt es zu verwerfen: Zum Ereignis "/compact" steht dort wörtlich "Replaces the conversation with a structured summary." Ebenfalls von dort die Ausnahme, dass die Liste der verfügbaren Skills als einziger Teil des Startinhalts nach dem Verdichten nicht erneut eingesetzt wird; erhalten bleiben nur die tatsächlich aufgerufenen. Sie belegt außerdem, dass die Startfüllung ohne Zutun geschieht: "Before you type anything: CLAUDE.md, auto memory, MCP tool names, and skill descriptions all load into context." Die Umgebungsangaben stehen in der begehbaren Simulation als eigener Posten "Environment info" mit 280 Token und der Kennzeichnung auto, beschrieben als "Working directory, platform, shell, OS version, and whether this is a git repo. Git branch, status, and recent commits load as a separate block at the very end of the system prompt." Dieser Text liegt in den Daten der Simulation und wird erst beim Anklicken des Punktes sichtbar, deshalb ist er nicht als Zitat hinterlegt.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Hooks reference (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 24.09.2026

    Die Herstellerdokumentation zu den Ereignissen, an denen sich eigene Programme einhängen lassen. Für das Gedächtnis sind zwei Zeilen ihrer Übersichtstabelle entscheidend, und sie sagen das Gegenteil dessen, was man erwartet. Zu PreCompact und PostCompact steht dort "No decision control. Used for side effects like logging or cleanup": Ein Hook vor dem Verdichten kann also Dateien schreiben, seine Ausgabe wird aber nicht in den Kontext übernommen. Einspeisen kann nur SessionStart, dort steht "hookSpecificOutput.additionalContext adds context for Claude", und dieses Ereignis kennt vier Auslöser, darunter ausdrücklich "compact". Der Rückweg nach dem Verdichten führt damit über den Sitzungsstart statt über das Verdichten selbst. Abgerufen am 03.08.2026.

Tippen Sie los.

↑↓ auswählenEnter öffnenDie Suche läuft im Browser. Nichts wird übertragen.