GrundlagenConversational AIKapitel 06 von 12

Tools anbinden

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Ein Sprachagent, der etwas auslöst, ruft dafür ein Tool auf. Die Mechanik dahinter steht in Agenten und Harness, Kapitel 02 und Grundkurs, Kapitel 09. Hier geht es um die Sekunden, bis das Ergebnis da ist, und um die Frage, wer in dieser Zeit spricht.

Der Aufruf der Reihe nach

Der Ablauf ist bei OpenAI und Google derselbe. Das Modell legt die Argumente in den Gesprächsverlauf. Laut der Beschreibung des Tool Calls bei OpenAI (externe Seite, developers.openai.com) erkennt die Anwendung diese Einträge und führt mit den Argumenten ihren eigenen Code aus.

Danach schickt die Anwendung das Ergebnis zurück und bittet um eine Antwort.

Anfangs hieß das: Bis das Ergebnis da ist, steht das Gespräch. Googles Seite zum Tool Call (externe Seite, ai.google.dev) nennt das die Voreinstellung. Die Aufrufe laufen der Reihe nach, die Verarbeitung hält an, bis das Ergebnis jedes Aufrufs da ist, und so lange lässt sich mit dem Modell nicht weitersprechen.

Im Chatfenster ist das unauffällig. Wer eine Buchung anstößt, sieht einen Ladebalken. Im Gespräch entsteht an derselben Stelle Stille, und je nachdem, was das Tool tut, dauert sie eine halbe Sekunde oder zehn.

Die neueren Modelle reden weiter

OpenAI hat das mit gpt-realtime im August 2025 geändert. Laut der Ankündigung (externe Seite, openai.com) stört ein lang laufender Aufruf den Fluss der Sitzung seither nicht mehr: Das Modell führt das Gespräch weiter, während es auf das Ergebnis wartet. GPT-Live, die neuere Bauform aus Kapitel 02, gibt Tool Calls ganz an ein zweites Modell ab. Die Anleitung dazu (externe Seite, developers.openai.com) hält fest, dass Gespräch und abgegebene Arbeit getrennt weiterlaufen. Ist die Arbeit im Hintergrund fertig, heißt das dort ausdrücklich noch nicht, dass der Anrufer die Antwort gehört hat.

Google zog am 15.09.2026 mit Gemini 3.8 Live nach. Dort ist der Aufruf ohne Warten die Voreinstellung, so steht es in der Änderungsliste (externe Seite, ai.google.dev) der Schnittstelle. Nur das als Vorgänger geführte Gemini 3.1 Flash Live arbeitet weiter ausschließlich der Reihe nach.

Ob Stille entsteht, entscheidet damit die Wahl des Modells. Was sich dadurch an Arbeit in die Anwendung verschiebt, steht in Tiefe 2.

Die Ansage davor

Der einfachste Griff ist, die Wartezeit anzukündigen. Der Hersteller führt das als eigenes Bauteil und nennt es Preamble, also Vorspann. Beide Seiten davon stehen im Leitfaden zum Anweisen (externe Seite, developers.openai.com) direkt nebeneinander. Gut eingesetzt, versichert die Ansage dem Nutzer, dass der Assistent arbeitet. Schlecht eingesetzt, wird sie zum Füllsel und verlängert die gefühlte Wartezeit.

Der zweite Satz ist der wichtigere. Eine Ansage, die nichts sagt, macht das Warten länger, weil sie es benennt, ohne es zu verkürzen. Die Dokumentation (externe Seite, developers.openai.com) wird deshalb konkret. Angesagt wird, wenn gleich ein Tool aufgerufen wird, das spürbar Zeit brauchen kann, wenn Unterlagen geprüft werden, oder wenn eine Übergabe ansteht. Weggelassen wird die Ansage, wenn die Antwort ohnehin sofort kommt, wenn jemand nur bestätigt oder widerspricht, und wenn der Aufruf schnell ist.

Auch die Formulierungen stehen dort. Zu vermeiden sind „Let me think…“ und „One moment while I process that…“. Empfohlen sind Sätze, die die Handlung nennen: „I’ll check that order now.“ Der Unterschied liegt im Bezug. Das eine beschreibt den Zustand der Maschine, das andere die Sache, um die es geht.

Was sich dadurch nicht ändert

Die Kosten aus Agenten und Harness, Kapitel 02 gelten weiter. Im Normalfall steht jede Tool-Beschreibung in jeder Anfrage im Kontextfenster, und fünf Server mit je acht Tools sind vierzig Beschreibungen. Am Sprachkanal ändert das nichts. Was dazukommt, ist eine zweite Rechnung in einer zweiten Währung.

Quellen

9 Einträgealle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • Dokumentationerreichbar

    Google, Tool use with Live API (externe Seite, ai.google.dev)

    ai.google.devgeprüft 25.10.2026

    Die Doku zum Tool Call in einer laufenden Sprachsitzung. Sie nennt den Aufruf der Reihe nach die Voreinstellung, bei der die Verarbeitung anhält, bis das Ergebnis da ist, und beschreibt eine Einstellung dagegen. Unter ihr vermerkt sie, dass Gemini 3.1 Flash Live sie nicht beherrscht. Für den Zeitpunkt, zu dem ein Ergebnis ohne Warten ins Gespräch kommt, nennt sie drei Arten: sofort unterbrechen, abwarten, bis das Modell fertig gesprochen hat, oder still aufnehmen und später verwenden. Am 05.10.2026 führte die Seite noch den Stand vor Gemini 3.8 Live: Ihre Vergleichstabelle stellt 3.1 Flash Live neben 2.5 Flash Live.

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, Realtime conversations (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Die Beschreibung dessen, was in einer laufenden Sprachsitzung passiert, und der Ort, an dem der Anbieter den Preis einer Prüfung vor der Antwort selbst benennt: Wer die automatische Antwort abschaltet, um Eingaben zu moderieren, zu prüfen oder erst etwas nachzuschlagen, bezahlt das mit Wartezeit. Dieselbe Seite nennt die Obergrenze einer Sitzung und beschreibt den Ablauf eines Tool Calls.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    OpenAI, Introducing gpt-realtime and Realtime API updates for production voice agents (externe Seite, openai.com)

    openai.comgeprüft 25.10.2026

    Die Vorstellung von gpt-realtime am 28.08.2025, zugleich der Schritt der Realtime API aus der Vorschau in die allgemeine Verfügbarkeit. Neu waren Telefonanrufe über SIP, entfernte MCP-Server, Bilder als Eingabe und zwei neue Stimmen. Dazu kam der Tool Call ohne Warten: Ein lang laufender Aufruf unterbricht das Gespräch nicht mehr, das Modell spricht weiter, während es auf das Ergebnis wartet. Die Ankündigung nennt dafür keine Latenzzahlen.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, GPT-Live: Delegation and tools (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Die Anleitung, wie GPT-Live Denken und Tool Calls an ein zweites Modell oder an die eigene Anwendung abgibt. Gespräch und abgegebene Arbeit laufen getrennt weiter, und ein Hineinreden hält die Arbeit im Hintergrund nicht an. Für Zwischenstände nennt sie drei Wege: eine Anweisung, eine stille Information für das Modell und einen Satz, den es laut sagt. Ändert jemand seinen Wunsch, soll die Anwendung das Ergebnis der alten Anfrage verwerfen.

  • Dokumentationerreichbar

    Gemini API changelog (externe Seite, ai.google.dev)

    ai.google.devgeprüft 25.10.2026

    Die Änderungsliste der Gemini-Schnittstelle. Sie führt unter dem 15.06.2026 die Ankündigung, drei Bildmodelle der Imagen-Reihe am 17.08.2026 abzuschalten, und ist damit der Beleg dafür, dass auch ein Bildwerkzeug ein Ablaufdatum hat. Der Eintrag nennt keinen Nachfolger und verweist auf eine eigene Seite dafür. Unter dem 15.09.2026 meldet sie Gemini 3.8 Live als allgemein verfügbar, mit dem Tool Call ohne Warten als Voreinstellung. Unter dem 06.10.2026 meldet sie Nano Banana 2.1 mit der Kennung gemini-nano-banana-2.1, unter dem 08.10.2026 die Abkündigung von gemini-3.7-flash samt Umleitung auf gemini-3.8-flash.

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, Using realtime models (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Die Anleitung zum Anweisen eines Sprachmodells, das rohen Ton verarbeitet. Sie belegt nebenbei, was ein solches Modell auseinanderhalten kann: Stille, Hintergrundgeräusch, Wartemusik, Fernsehton und ein Gespräch, das jemand anderem gilt. Dieselbe Seite führt die Ansage vor einer Wartezeit als eigenes Bauteil mit Namen und benennt ihre Kehrseite: Schlecht gemacht erhöht sie die gefühlte Wartezeit. Die Anweisungen stehen dort für zwei Modellfassungen nebeneinander und lauten verschieden; zitiert ist hier die neuere.

  • Dokumentationerreichbar

    Google, Live API capabilities guide (externe Seite, ai.google.dev)

    ai.google.devgeprüft 25.10.2026

    Die Beschreibung zweier Einstellungen, die es nur beim durchgehenden Modell gibt: Das Modell darf entscheiden, ob es überhaupt antwortet, und es richtet seinen Ton nach dem des Gegenübers. Beides setzt voraus, dass mehr ankommt als der Wortlaut. Beide laufen nur über eine Vorabfassung der Schnittstelle. Die Seite vermerkt unter jeder der beiden, dass sie in Gemini 3.1 Flash Live fehlen, und führt dieses Modell seit dem 15.09.2026 als Vorgänger; zu Gemini 3.8 Live sagt sie an dieser Stelle nichts. Dieselbe Seite vergleicht inzwischen drei Modelle in einer Tabelle. Beim Tool Call läuft Gemini 3.8 Live ohne Warten als Voreinstellung, und die Anwendung wählt, wann ein Ergebnis ins Gespräch kommt; die Fassung mit ausgedehntem Denken kennt nur den Weg ohne Warten, ohne Wahl des Zeitpunkts, 3.1 Flash Live nur den Aufruf der Reihe nach. Beim Denken gilt: Das aktuelle Live-Modell führt Denken fest verdrahtet ohne wählbare Stufe, die Fassung mit ausgedehntem Denken erlaubt niedrig, mittel und hoch, und nur beim als Vorgänger geführten Gemini 3.1 Flash Live Preview gibt es zusätzlich die niedrigste Stufe als Voreinstellung, mit der Antwortzeit begründet. Sie beschreibt außerdem das Hineinreden: Das Modell verwirft seine laufende Erzeugung, und im Kommentar des Codebeispiels zum Feld interrupted steht, dass die Anwendung den schon gesendeten Ton selbst aus ihrem Puffer räumen muss. Die Erkennung der Sprechpausen lässt sich abschalten und an den Client übergeben. Der Preis dafür steht daneben: Die Pufferung auf der Gegenseite entfällt, und die Seite nennt 500 Millisekunden Stille als Untergrenze für die eigene Erkennung.

  • Artikelerreichbar

    Simon Willison, GPT-5.5 prompting guide (externe Seite, simonwillison.net)

    simonwillison.netgeprüft 25.10.2026

    Datiert den Erscheinungstag des GPT-5.5-Leitfadens auf den 25.04.2026 und zitiert die Kernsätze wörtlich. Wird hier nur als Datumsbeleg geführt: Die Herstellerseite selbst nennt keinen Zeitpunkt, an dem sie geschrieben wurde.

  • Dokumentationerreichbar

    Model Context Protocol, Spezifikation (externe Seite, modelcontextprotocol.io)

    modelcontextprotocol.iogeprüft 25.10.2026

    Die jeweils maßgebliche Fassung des Standards, über den ein Sprachmodell an fremde Tools und Datenquellen kommt. Die Adresse leitet auf die aktuelle Fassung weiter, seit dem 28.07.2026 auf 2026-07-28.

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