Im vorigen Kapitel wurde Text in Token zerlegt und jedes Token bekam eine
Nummer aus dem Vokabular. Diese Nummer ist eine Adresse und sonst nichts. Das
Token ·Katze hat vielleicht die 168947, ·Hund die 74312. Aus den beiden
Zahlen folgt nichts: Sie sind nicht ähnlicher als 3 und 4, obwohl die Wörter es
sind.
Damit ein Modell überhaupt etwas mit Sprache anfangen kann, braucht es eine Darstellung, in der Ähnlichkeit sichtbar wird. Diese Darstellung heißt Embedding.
Aus einer Nummer wird eine Reihe
Jedes Token bekommt eine Reihe von Zahlen zugeordnet, und zwar einige hundert bis einige tausend. Wie viele es sind, legt das jeweilige Modell fest. Eine allgemein gültige Zahl gibt es nicht. Die Beispiele hier rechnen mit 3072. So lang ist die Reihe, die Googles Embedding-Modell in der Grundeinstellung (externe Seite, blog.google) ausgibt, und zwar für einen ganzen Text. Wie aus den Reihen der einzelnen Token eine Reihe für den Text wird, steht in Ebene 2.
eigene Darstellung, Stand 28.07.2026
Eine Reihe aus 3072 Zahlen ist ein Punkt in einem Raum mit 3072 Richtungen. Das kann sich niemand vorstellen, und man muss es auch nicht. Was zählt, ist eine einzige Eigenschaft dieses Raums: Abstand bedeutet etwas.
Wörter, die in Texten ähnlich verwendet werden, landen an ähnlichen Stellen. Katze, Hund und Hamster liegen beieinander, Auto und Laster liegen woanders beieinander, und zwischen den beiden Gruppen ist es weit.
Woher die Zahlen kommen
Niemand hat sie eingetragen. Sie entstehen beim Training, dessen Ablauf in KI jenseits der Sprachmodelle, Kapitel 02 steht, und zwar aus einer einzigen, sehr einfachen Beobachtung: Wörter, die in ähnlichen Zusammenhängen vorkommen, bedeuten meistens Ähnliches. Wer Millionen Sätze sieht, in denen „Katze“ und „Hund“ an vergleichbaren Stellen stehen, kann beiden ähnliche Zahlen geben, ohne je erfahren zu haben, was ein Tier ist.
Das ist alt. Die Arbeit, die es 2013 praktisch gemacht hat, heißt Efficient Estimation of Word Representations in Vector Space (externe Seite, arxiv.org) und brauchte für ihre Zeit erstaunlich wenig Rechenleistung. Berühmt wurde die Beobachtung, dass man mit diesen Vektoren rechnen kann: König minus Mann plus Frau landet in der Nähe von Königin. Sie stammt aus einer Vorarbeit derselben Gruppe, die die Arbeit von 2013 in ihrer Einleitung zitiert (externe Seite, arxiv.org). Ihr eigener Beitrag sind zwei neue Bauformen (externe Seite, arxiv.org), die solche Rechnungen genauer machen, dazu eine Sammlung von Testfragen, die neben grammatischen auch inhaltliche Beziehungen misst.
Dieser Rechentrick wird bis heute gern vorgeführt. Er funktioniert bei den Wortvektoren von damals ordentlich und bei heutigen Modellen nur noch eingeschränkt, weil dort die Bedeutung vom Satz abhängt. Was bleibt, ist die Grundidee: Bedeutung als Lage im Raum.
Wozu das gut ist
Drei Dinge, die ohne Embeddings nicht gingen.
Suchen nach Sinn statt nach Wörtern. Wer „Wie storniere ich meine Bestellung?“ eingibt, findet auch den Abschnitt „Widerruf und Rücksendung“, in dem keines der Wörter aus der Frage vorkommt. Gesucht wird nach nahen Punkten, nicht nach gleichen Zeichenketten.
Eigene Dokumente nutzbar machen. Genau darauf beruht das Verfahren, mit dem Sprachmodelle Fragen zu Firmenunterlagen beantworten: Die Unterlagen werden in Abschnitte zerlegt, jeder Abschnitt bekommt seine Zahlenreihe, und zur Frage werden die nächstliegenden Abschnitte herausgesucht und dem Modell vorgelegt. Es ist einer der drei Wege, auf denen Neues in ein Modell kommt, und die stehen in Kapitel 08. Wie das Verfahren Schritt für Schritt abläuft und woran man erkennt, dass die Suche danebengriff, steht in Agenten und Harness, Kapitel 03.
Sortieren und Gruppieren. Tausend Rückmeldungen lassen sich zu Häufungen zusammenfassen, ohne dass jemand vorher Kategorien festlegt. Die Häufungen sind Punktwolken.
Die Grenze, die man kennen muss
Nähe im Raum ist Ähnlichkeit der Verwendung. Sie ist keine Wahrheit und kein Urteil. „Der Vertrag wurde gekündigt“ und „Der Vertrag wurde nicht gekündigt“ liegen sehr nah beieinander, denn sie handeln von derselben Sache und unterscheiden sich in einem Wort.
Wer eine Suche über Embeddings baut, bekommt deshalb thematisch passende Treffer, keine inhaltlich richtigen. Der Unterschied klingt spitzfindig. Im Betrieb führt er zu falschen Antworten aus einer Wissensbasis, deren Fundstellen zum Thema passen und trotzdem danebenliegen.
Wie ein Modell diese Zahlen bekommt und warum es dafür oft ein zweites, eigenes Modell braucht, steht in der nächsten Tiefe.
Ein Sprachmodell bringt seine Embeddings selbst mit. Trotzdem gibt es einen eigenen Markt für Embedding-Modelle, und wer eine Suche baut, benutzt fast immer eines davon statt des Sprachmodells, das später antwortet. Dieser Abschnitt erklärt, warum das kein Umweg ist.
Die Embedding-Schicht
Ganz vorn im Sprachmodell steht eine Tabelle. Sie hat so viele Zeilen wie das Vokabular Einträge hat, bei 200.000 Token also 200.000 Zeilen, und jede Zeile ist die Zahlenreihe für dieses eine Token. Der erste Schritt jeder Verarbeitung ist ein Nachschlagen: Token-Nummer rein, Zahlenreihe raus.
Diese Tabelle ist Teil der Modellgewichte und wird mittrainiert. Sie ist auch der Grund für eine Bemerkung aus dem vorigen Kapitel: Ein größeres Vokabular kostet Speicher, weil jeder zusätzliche Eintrag eine weitere Zeile in dieser Tabelle bedeutet.
Warum die Embedding-Schicht allein nicht reicht
Die Zeile für ·Bank ist immer dieselbe. Sie kennt keinen Zusammenhang, also
auch nicht den Unterschied zwischen dem Geldhaus und dem Sitzmöbel. Ein Modell,
das dabei stehenbliebe, könnte diesen Unterschied nie machen.
Er entsteht in den Schichten darüber. Der Mechanismus dafür heißt Aufmerksamkeit
und stammt aus Attention Is All You Need (externe Seite, arxiv.org): Jedes Token
sieht andere Token im Text an und verschiebt seine eigene Zahlenreihe
entsprechend. Bei einem Modell, das Text fortsetzt, sind das
nur die vorangehenden (externe Seite, arxiv.org), einschließlich seiner selbst.
Anders könnte es beim Training die Fortsetzung ablesen, die es vorhersagen
soll. Nach ein paar Schichten hat das Bank im Satz „Ich sitze auf der
Bank“ eine andere Darstellung als das Bank im Satz „Ich gehe zur Bank“.
Damit stehen zwei verschiedene Dinge nebeneinander, die beide Embedding heißen:
| statisch | im Zusammenhang | |
|---|---|---|
| Woher | Nachschlagetabelle ganz vorn | innere Schichten des Modells |
| Gilt für | ein Token, immer gleich | ein Token in diesem einen Satz |
| Kennt Mehrdeutigkeit | nein | ja |
Ein Text ist kein Token
Für eine Suche braucht man eine Zahlenreihe für einen ganzen Abschnitt, damit sich Abschnitte vergleichen lassen. Sie entsteht aus den Reihen der einzelnen Token, die zu einer einzigen zusammengefasst werden. Das Verfahren dafür heißt Pooling.
Der naheliegende Weg ist der Durchschnitt, und er ist zugleich der übliche. Sentence-BERT (externe Seite, arxiv.org), die Arbeit, die 2019 aus einem Sprachmodell ein Suchwerkzeug gemacht hat, probiert drei Wege aus und stellt den Durchschnitt als Voreinstellung ein.
Entscheidend ist, worauf das Modell trainiert wurde, und die Arbeit hat das gemessen. Sieben Tests prüfen dort, ob die Nähe der Zahlenreihen zweier Sätze zu menschlichen Urteilen über Ähnlichkeit passt. Der Durchschnitt über die Ausgabe eines gewöhnlichen BERT-Modells kam im Mittel auf 54,81 Punkte. Er lag damit sogar unter dem Durchschnitt über statische Wortvektoren aus einer Nachschlagetabelle (GloVe) mit 61,32. Erst nachdem die Arbeit BERT mit beschrifteten Satzpaaren nachtrainiert hatte, erreichte derselbe Durchschnitt 74,89 (Sentence-BERT, Abschnitt 4 und Tabelle 1 der Druckfassung).
Den Ausschlag gibt also das Training: Der Durchschnitt bedeutet erst etwas, wenn das Modell darauf trainiert ist, dass er etwas bedeutet.
Damit ist die dritte Sache benannt, die Embedding heißt: eine Reihe für einen ganzen Abschnitt. Dafür gibt es eigene Modelle, deren einzige Aufgabe das ist.
Was ein Embedding-Modell anders macht
Der wichtigste Unterschied liegt im Trainingsziel.
Ein Sprachmodell wird darauf trainiert, das nächste Token vorherzusagen. Ein Embedding-Modell wird darauf trainiert, dass zusammengehörige Textpaare nah beieinander landen und unzusammengehörige weit auseinander. Man legt ihm also Millionen Paare vor, etwa Frage und passende Antwort, Titel und Artikel, Übersetzung und Original, und straft es, wenn der Abstand nicht stimmt. Dieses Verfahren heißt Contrastive Learning.
Das erklärt drei praktische Eigenschaften:
Viele sind klein. Googles offenes EmbeddingGemma 2 etwa hat nach der Ankündigung (externe Seite, blog.google) 740 Millionen Parameter und ist damit für den Betrieb auf dem Gerät gedacht. Ein solches Modell muss nichts formulieren, nur einordnen. Die Modelle der großen Anbieter setzen inzwischen auf einem großen Sprachmodell auf: Gemini Embedding 2 ist nach der technischen Arbeit (externe Seite, arxiv.org) aus Gemini selbst hervorgegangen und dafür weitertrainiert (Abschnitt 3.1 des Volltexts).
Sie sind billig. Eine Million Textabschnitte einzubetten kostet einen Bruchteil dessen, was eine Million Antworten kosten würde. Anders ließe sich eine Wissensbasis gar nicht aufbauen.
Manche kennen die Richtung der Frage. Eine Suchanfrage ist kurz und fragend, ein Dokument lang und behauptend. Ein Teil der Modelle unterscheidet beim Einbetten, ob das Stück als Frage oder als Fundstelle gemeint ist, meist über einen Aufgabentyp im Aufruf oder ein vorangestelltes Stichwort. Ob das eigene Modell dazugehört, steht in seiner Dokumentation. Wer die Angabe übersieht, verschenkt Trefferqualität, ohne dass es auffällt.
Wie Nähe gemessen wird
Der übliche Abstand ist der Kosinus zwischen zwei Zahlenreihen: der Winkel, den sie einschließen, ohne Rücksicht auf ihre Länge. Zwei Texte gelten als ähnlich, wenn ihre Reihen in dieselbe Richtung zeigen.
Die Werte liegen zwischen 1 (gleiche Richtung) und minus 1 (Gegenrichtung). Welcher Teil dieser Spanne in einem konkreten System vorkommt, hängt vom Modell, von der Sprache und vom Bestand ab und gehört gemessen. Eine feste Schwelle wie „ab 0,8 ist es ein Treffer“ lässt sich deshalb von einem Modell auf ein anderes nicht übertragen. Die Zahlen sind Hausnummern des jeweiligen Modells.
Die Länge der Reihe ist wählbar
Mehr Zahlen kosten mehr Speicher und mehr Rechenzeit. Bei einer Million Abschnitten und 4 Byte je Zahl belegen 768 Zahlen je Reihe rund 3 Gigabyte, 3072 Zahlen gut 12, und die Suche wird entsprechend langsamer. Bessere Treffer bringen die zusätzlichen Zahlen nach Googles eigener Messung an seinem älteren Embedding-Modell wenig: Laut Googles Doku (externe Seite, ai.google.dev) hängt die Qualität nicht streng an der Länge, und kürzere Reihen liegen nah an den längeren.
Aktuelle Modelle nutzen dafür Matryoshka Representation Learning (externe Seite, arxiv.org): Die Reihe wird so trainiert, dass schon ihr Anfang für sich brauchbar ist. Wer Speicher sparen will, schneidet sie hinten ab, statt ein zweites, kleineres Modell zu betreiben. Die Arbeit dazu beziffert, was dabei übrig bleibt. Die gekürzten Reihen sind mindestens so gut wie eigens dafür trainierte kleine (externe Seite, arxiv.org). In einem Versuch zur Bilderkennung nahm ein gestuftes Verfahren je Bild nur so viele Zahlen wie nötig und kam so mit bis zu vierzehnmal kleineren Reihen bei gleicher Genauigkeit (externe Seite, arxiv.org) aus: im Mittel rund 37 Zahlen, so genau wie ein eigens trainiertes Modell mit 512 (Abschnitt 4.2.1 der Druckfassung). Wie weit sich das auf den eigenen Bestand überträgt, zeigt erst die Messung daran.
Was das für den Bau bedeutet
Die Aufteilung im Betrieb sieht deshalb meistens so aus: Ein Embedding-Modell bettet den Bestand einmal ein und jede Suchanfrage neu, ein großes Sprachmodell formuliert aus den gefundenen Stellen die Antwort. Beide Modelle stammen oft von verschiedenen Anbietern, und das ist kein Problem, solange innerhalb des Index nichts gemischt wird.
Wie diese Zahlen zusätzlich Bilder, Ton und Video aufnehmen, und warum das die Bauform von Suchsystemen verändert, steht in der nächsten Tiefe.
Zwei Entwicklungen haben sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt. Die eine ist technisch: Ein Raum nimmt jetzt alle Medienarten auf. Die andere ist handwerklich: Wie gut eine Suche trifft, hängt auch daran, wie der Bestand zerlegt wird.
Ein Raum für Text, Bild, Ton und Video
Ein gemeinsamer Raum für zwei Medienarten ist alt. CLIP hat 2021 ein Bild- und ein Textnetz gleichzeitig darauf trainiert, dass zusammengehörige Paare denselben Platz bekommen (externe Seite, arxiv.org), und dafür 400 Millionen Bild-Text-Paare (externe Seite, arxiv.org) aus dem Netz verwendet. Zwei Jahre später verband ImageBind von Meta sechs Medienarten in einem Raum (externe Seite, arxiv.org), darunter Ton, Tiefenbilder und Bewegungsdaten. Verbindendes Glied war dabei das Bild: Jede weitere Medienart wurde über Paare mit einem Bild angebunden. Video lief über den Bildzweig mit, als kurzer Ausschnitt aus zwei Einzelbildern (Abschnitt 3.3 des Volltexts). Ganze Dokumentseiten stehen nicht unter den sechs.
Im März 2026 hat Google mit Gemini Embedding 2 ein Modell vorgestellt, das Text, Bild, Ton, Video und Dokumentseiten in denselben Raum legt (externe Seite, blog.google). Die technische Arbeit dazu beschreibt es als ein Modell für Video, Ton, Bild und Text (externe Seite, arxiv.org) in einem gemeinsamen Darstellungsraum, trainiert mit Contrastive Learning über mehrere Stufen.
eigene Darstellung nach der Beschreibung in Gemini Embedding 2, Stand 28.07.2026
Warum das mehr ist als ein Zusatzmerkmal auf einem Datenblatt:
Die Frage muss nicht mehr die Form des Bestands haben. Ein gesprochener Satz findet die Stelle im Video, ein Foto findet den Absatz im Handbuch, ein Screenshot findet das Ticket. Vorher brauchte jede dieser Richtungen einen eigenen Weg.
Der Zwischenschritt entfällt. Der übliche Umweg war, alles zuerst in Text zu verwandeln: Bilder beschreiben lassen, Ton transkribieren, PDF-Seiten durch Texterkennung schicken. Jeder dieser Schritte kostet Zeit, Geld und Genauigkeit, und was die Beschreibung nicht erwähnt, ist unwiederbringlich weg. Das Layout einer Rechnung zum Beispiel. Beim Vorlegen eines einzelnen Bildes entfällt derselbe Umweg aus demselben Grund, dort allerdings ohne Index (Kapitel 13).
Der Index bleibt einer. Ein Bestand, eine Suche, ein Satz Nachbarschaften. Wer vorher drei Indizes führte, führte auch drei Wahrheiten über dieselbe Sache.
Die Grenzen stehen in der Dokumentation der Schnittstelle (externe Seite, ai.google.dev). Ein Aufruf verarbeitet bei diesem Modell höchstens 8192 Token über alle Eingaben zusammen; einzeln gelten sechs Bilder, zwei Minuten Video, drei Minuten Ton und eine PDF-Datei mit bis zu sechs Seiten. Vom Video zählt dabei nur das Bild, höchstens 32 Einzelbilder je Video, und die Tonspur bleibt außen vor. Was in einem Video gesprochen wird, muss also getrennt als Ton in den Index. Ein Film wird weiterhin zerschnitten, bevor er in den Index kommt. Und die Werte, die Anbieter zu ihren eigenen Modellen veröffentlichen, sind Herstellerangaben.
Wie man den Bestand zerlegt
Ein großer Teil der Arbeit liegt vor dem Embedding-Modell. Ein Abschnitt, der zwei Themen enthält, bekommt eine Zahlenreihe, die zwischen beiden liegt und zu keinem gehört. Ein Abschnitt, der mitten im Satz endet, verliert seinen Bezug.
Drei Regeln, die sich bewährt haben:
In Token messen, nicht in Zeichen. Warum das bei deutschen Fachtexten einen Unterschied macht, steht in Kapitel 03.
An inhaltlichen Grenzen schneiden. Überschrift, Absatz, Listenpunkt. Eine feste Länge ohne Rücksicht auf die Struktur zerschneidet Zusammenhänge genau dort, wo sie gebraucht werden.
Den Zusammenhang mitgeben. Ein Abschnitt aus der Mitte eines Handbuchs sagt allein oft wenig. Wer ihm die Überschriftenkette voranstellt, bevor er ihn einbettet, gibt ihm diesen Zusammenhang zurück, ohne am Modell etwas zu ändern. Wie viel ein Vorspann bringen kann, misst Agenten und Harness, Kapitel 03 an einem Verfahren von Anthropic, das jedem Abschnitt einen kurzen erzeugten Zusammenhang voranstellt.
Wo die Ähnlichkeitssuche systematisch danebenliegt
Vier Fälle, in denen der nächste Nachbar der falsche ist. Sie zählen auf, was neben dem Verfahren stehen muss.
Verneinung. „Der Vertrag wurde gekündigt“ und „Der Vertrag wurde nicht gekündigt“ sind sich im Raum sehr nah, denn gemessen wird die Verwendung eines Textes, und in der Verwendung trennt die beiden ein einziges Wort. Wie weit ein Modell den Unterschied trotzdem abbildet, ist eine Eigenschaft dieses Modells und gehört an eigenen Beispielen gemessen.
Zahlen und Kennungen. Wer nach einer Rechnungsnummer sucht, sucht nach genau dieser Zeichenkette. Hier schadet Ähnlichkeit: Die benachbarte Rechnung sieht fast genauso aus. Solche Fälle gehören in eine Volltextsuche, nicht in eine Ähnlichkeitssuche.
Fachbegriffe, die selten sind. Was im Trainingsmaterial kaum vorkam, hat eine unzuverlässige Lage. Deutsche Komposita und Behördenbegriffe sind dafür anfällig, weil sie sich beliebig neu bilden lassen und deshalb im Material oft gar nicht als Ganzes stehen. Wie stark das beim eigenen Modell durchschlägt, zeigen eigene Suchfragen mit bekannter richtiger Fundstelle.
Die Frage nach dem Gegenteil. „Welche Regelungen gelten nicht für Teilzeitkräfte“ liefert zuverlässig die Regelungen für Teilzeitkräfte.
Die übliche Antwort darauf ist ein zweistufiges Vorgehen: Erst Kandidaten über die Ähnlichkeitssuche und über eine klassische Wortsuche einsammeln, dann von einem kleinen Modell in eine Reihenfolge bringen lassen. Die zweite Stufe kostet mehr, sieht aber genau hin. Belege und Zahlen dazu stehen in Agenten und Harness, Kapitel 03.
Was beim Modellwechsel passiert
Ein neues Embedding-Modell bringt einen eigenen Raum mit. Alte und neue Vektoren im selben Index ergeben stille Fehler: Die Rechnung läuft durch, die Nachbarschaften stimmen nicht mehr, und niemand bekommt eine Fehlermeldung.
Was dazugehört:
- Vollständig neu einbetten, nicht nur die neuen Dokumente. Bei einer Million Abschnitten ist das eine planbare Aufgabe mit Kosten und Laufzeit.
- Beide Indizes parallel fahren, bis der neue gemessen besser ist. Die Messung braucht eigene Testfragen mit bekannter richtiger Fundstelle.
- Die Länge der Reihe festlegen und aufschreiben. Wenn ein Modell nach Matroschka-Art (externe Seite, arxiv.org) kürzbar ist, gehört die gewählte Länge zum Index. Wer sie später ändert, hat wieder zwei Räume.
Ein Vektor ist keine Anonymisierung
Eine Zahlenreihe sieht nach Ergebnis aus, und darauf beruht die verbreitete
Annahme, ein Vektorindex sei harmloser als der Text darin. Morris und
Mitautoren haben 2023 gemessen, wie weit sie reicht. Ihr Verfahren bettet einen
Versuch ein, vergleicht ihn mit dem Zielvektor und
bessert schrittweise nach (externe Seite, arxiv.org), bis der Text
wieder dasteht. Beim offenen Modell GTR traf es bei Eingaben von 32 Token in 92
Prozent der Fälle den Wortlaut, bei OpenAIs damaligem Modell
text-embedding-ada-002 in 61 Prozent und bei längeren Texten bis 128 Token
noch in 8 Prozent (Tabelle 1 des Volltexts). Vorausgesetzt ist, dass der
Angreifer das Embedding-Modell selbst aufrufen kann. Aus einem Bestand
klinischer Notizen holte es
Klarnamen zurück (externe Seite, arxiv.org); die Namen waren in diesem
Bestand für Versuche nachträglich eingesetzt.
Praktisch heißt das: Der Index gehört dorthin, wo auch die Dokumente liegen dürfen. Wer einen Bestand bei einem Dienst einbettet und die Vektoren dort ablegt, hat den Bestand dort abgelegt, und dieselbe Frage nach Zugriffsrechten stellt sich innerhalb des eigenen Hauses: Ein Abschnitt, den nur die Personalabteilung sehen darf, wird als Vektor nicht weniger lesbar. Was das Ersetzen von Namen in einer Anfrage an ein Modell leistet und was das Modell trotzdem erschließt, zeigt Nutzung und Anpassung von LLMs, Kapitel 07.
Was man messen sollte, bevor man optimiert
Zum Schluss die brauchbaren Kennzahlen und eine unbrauchbare.
Nützlich ist der Anteil der Fragen, bei denen die richtige Stelle überhaupt unter den gefundenen war. Diese Zahl trennt sauber: Ist sie schlecht, hilft kein besseres Sprachmodell, denn was nicht gefunden wurde, kann nicht in die Antwort kommen. Nützlich ist außerdem die Position der richtigen Stelle in der Trefferliste, weil sie zeigt, ob eine zweite Stufe zum Sortieren lohnt.
Nicht nützlich ist der durchschnittliche Ähnlichkeitswert. Er sagt nichts darüber, ob das Richtige gefunden wurde. Eine Zahl, die nichts über den Treffer sagt, taugt nicht als Kennzahl. Sie beruhigt, mehr nicht.
Quellen
11 Einträge, davon 2 Schlüsselarbeitenalle erreichbar
Erreichbarkeit automatisch geprüft
SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar
Efficient Estimation of Word Representations in Vector Space (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Mikolov und Kollegen zeigen am 16.01.2013, dass sich Wörter als Punkte in einem Zahlenraum darstellen lassen, in dem ähnliche Wörter beieinanderliegen, und dass sich diese Vektoren auf sehr großen Textmengen billig lernen lassen. Der Ursprung dessen, was heute Embedding heißt. Die berühmte Rechnung König minus Mann plus Frau steht in der Einleitung, dort aber als fremder Befund: eingeleitet mit „it was shown for example“ und belegt mit Referenz 20, also Mikolov, Yih und Zweig, NAACL 2013. Der eigene Beitrag dieser Arbeit sind zwei neue Bauformen, die solche Rechnungen genauer machen, und eine Sammlung von Testfragen für grammatische und inhaltliche Beziehungen.
SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar
Attention Is All You Need (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Die Arbeit, mit der alles anfing. Vaswani und sieben Mitautoren stellen am 12.06.2017 die Transformer-Architektur vor und zeigen, dass ein Netz allein über den Mechanismus der Aufmerksamkeit auskommt, ohne die bis dahin übliche schrittweise Verarbeitung. Erst dadurch ließen sich Modelle sinnvoll auf viele Rechenkerne verteilen. Jedes GPT, jedes Claude und jedes Gemini steht auf dieser Arbeit. Abschnitt 3.2.3 hält die Einschränkung fest, die für alle fortsetzenden Modelle gilt: „self-attention layers in the decoder allow each position in the decoder to attend to all positions in the decoder up to and including that position“, dazu die Begründung „We need to prevent leftward information flow in the decoder to preserve the auto-regressive property“. Beide Stellen stehen im Volltext und sind deshalb ohne hinterlegtes Zitat, der Prüflauf liest die Abstract-Seite.
Ankündigung des Herstellerserreichbar
Gemini Embedding 2: Our first natively multimodal embedding model (externe Seite, blog.google)
blog.googlegeprüft 25.10.2026
Die Ankündigung von Google vom 10.03.2026. Nennt die Modalitäten, den gemeinsamen Vektorraum, über 100 Sprachen und die frei wählbare Länge der Zahlenreihe ab 3072 abwärts.
Originalarbeiterreichbar
Sentence-BERT: Sentence Embeddings using Siamese BERT-Networks (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Reimers und Gurevych zeigen am 27.08.2019, wie aus einem Sprachmodell ein Suchwerkzeug wird: Zwei Kopien desselben Netzes werden so trainiert, dass zusammengehörige Sätze im Raum nah beieinander landen, und der Vergleich läuft danach über den Kosinus. Die Zusammenfassung fängt mit dem Lob für BERT an und beziffert erst danach, warum die Arbeit nötig war: 65 Stunden gegen 5 Sekunden für dieselbe Suche. Wer den Satz über die Untauglichkeit ohne diese beiden Zeilen zitiert, macht aus einer Kostenaussage ein Unvermögen. Zur Frage, wie aus vielen Token-Vektoren einer für den ganzen Abschnitt wird, steht die Antwort in Abschnitt 3: „We experiment with three pooling strategies: Using the output of the CLS-token, computing the mean of all output vectors (MEAN-strategy), and computing a max-over-time of the output vectors (MAX-strategy). The default configuration is MEAN.“ Diese Stelle steht im Volltext und ist deshalb ohne hinterlegtes Zitat, der Prüflauf liest die Abstract-Seite.
Ankündigung des Herstellerserreichbar
EmbeddingGemma 2: an open, lightweight multimodal embedding model (externe Seite, blog.google)
blog.googlegeprüft 25.10.2026
Googles Ankündigung nennt Parameterzahl, Modalitäten, Lizenz und Kontextfenster des Modells und dient deshalb als Beleg.
Originalarbeiterreichbar
Gemini Embedding 2: A Native Multimodal Embedding Model from Gemini (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Die technische Arbeit zu Googles erstem Embedding-Modell, das Text, Bild, Ton und Video in denselben Zahlenraum legt, eingereicht am 26.05.2026. Beschreibt das kontrastive Training über mehrere Stufen und die Messungen für die Suche innerhalb und über Medienarten hinweg.
Originalarbeiterreichbar
Matryoshka Representation Learning (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Das Verfahren hinter den kürzbaren Embeddings: Die Zahlenreihe wird so trainiert, dass schon ihr Anfang für sich brauchbar ist. Wer Speicher sparen will, schneidet hinten ab, statt ein zweites Modell zu betreiben. Grundlage der frei wählbaren Dimensionszahl heutiger Embedding-Dienste.
Dokumentationerreichbar
Embeddings, Gemini API (externe Seite, ai.google.dev)
ai.google.devgeprüft 25.10.2026
Googles Schnittstellendoku zu den Embedding-Modellen. Sie nennt die Grenzen je Aufruf für Gemini Embedding 2 (8192 Token über alle Eingaben, sechs Bilder, zwei Minuten Video ohne Tonspur, drei Minuten Ton, eine PDF-Datei mit bis zu sechs Seiten) und eine eigene Messung zur Länge der Zahlenreihe.
Originalarbeiterreichbar
Learning Transferable Visual Models From Natural Language Supervision (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
CLIP, eingereicht am 26.02.2021. Der Beleg dafür, dass Bild und Text lange vor den heutigen multimodalen Modellen in einem gemeinsamen Raum lagen: Ein Bild- und ein Textnetz werden gleichzeitig darauf trainiert, dass zusammengehörige Paare denselben Platz bekommen. Abschnitt 2.3 sagt es wörtlich: „CLIP learns a multi-modal embedding space by jointly training an image encoder and text encoder to maximize the cosine similarity of the image and text embeddings“. Diese Stelle steht im Volltext und ist deshalb ohne hinterlegtes Zitat, der Prüflauf liest die Abstract-Seite.
Originalarbeiterreichbar
ImageBind: One Embedding Space To Bind Them All (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Die Arbeit von Meta AI, eingereicht am 09.05.2023 und auf der CVPR 2023 vorgestellt. Sie legt sechs Medienarten in einen gemeinsamen Raum: Bild, Text, Ton, Tiefe, Wärmebild und Bewegungsdaten. Gebunden werden sie allein über Paare mit einem Bild.
Originalarbeiterreichbar
Text Embeddings Reveal (Almost) As Much As Text (externe Seite, arxiv.org)
arxiv.orggeprüft 25.10.2026
Morris und Mitautoren zeigen am 10.10.2023, dass sich aus einem Text-Embedding der Text zurückgewinnen lässt, der es erzeugt hat. Ihr Verfahren bettet einen Versuch ein, vergleicht und bessert nach, und trifft beim offenen Modell GTR bei Eingaben von 32 Token in 92 Prozent der Fälle den Wortlaut, bei OpenAIs damaligem Modell in 61 Prozent. Aus einem Bestand klinischer Notizen holten sie Klarnamen zurück. Der Beleg gegen die verbreitete Annahme, ein Vektorindex sei eine Art Anonymisierung. Die Prozentzahl steht im Abstract als Formel und ist deshalb nicht als Zitat hinterlegt.