GrundlagenGrundkursKapitel 06 von 16

Gute Prompts schreiben

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Dieses Kapitel setzt voraus, dass Sie wissen, was ein Prompt ist. Falls nicht, steht das nebenan in Kapitel 05: Gemeint ist alles, was das Modell vor seiner Antwort sieht, nicht nur Ihre Nachricht.

Hier geht es um den Teil, den Sie selbst schreiben.

Warum Ratgeber dazu ständig veralten

Im April 2026 empfahl OpenAI, in Anweisungen an das eigene Modell auf kurze Antworten zu drängen. Im Juli 2026 empfahl OpenAI, genau diese Anweisung wieder zu entfernen: Sie sei „unnötig oder kontraproduktiv“.

Beide Empfehlungen stehen unter derselben Adresse. Zwischen ihnen liegen elf Wochen. Was in dieser Zeit als „richtiges“ Prompten gelernt wurde, galt schon nicht mehr.

Vier Empfehlungen in sechs Monaten

OpenAI führt eine Seite mit Prompting-Hinweisen, die mit jedem neuen Modell einen neuen Stand bekommt. Was dort steht, hat sich über vier Stände erheblich verschoben.

LeitfadenDer Rat, in einem Satz
Zu GPT-5.4 (externe Seite, developers.openai.com), 05.03.2026Ausführlich anweisen. Ausgabeform festlegen, Prüfschleifen einbauen, für kleinere Modelle länger und expliziter schreiben.
Zu GPT-5.5 (externe Seite, developers.openai.com), 25.04.2026Ziele statt Schritte. Mit einem leeren Blatt anfangen statt den alten Prompt zu übernehmen. Ausführliche Ablaufvorgaben streichen.
Zu GPT-5.6 (externe Seite, developers.openai.com), 09.07.2026Wieder herausnehmen. Wiederholungen und Beispiele kürzen, Tool-Beschreibungen vereinfachen. Bei pauschalen Kürzungsanweisungen wie „Be concise“ nachsehen, ob sie noch etwas leisten.
Zu GPT-6 (externe Seite, developers.openai.com), 03.09.2026Wieder ergänzen. Fertige Absätze gegen Eigenheiten des neuen Modells: zu viele Rückfragen, stark formatierte Antworten, zu seltenes Delegieren, zu breite Tests. Jeden Absatz am eigenen Modell und an der eigenen Arbeitslast prüfen.

Ein sorgfältiger Prompt vom März 2026 hatte im April eine Empfehlung gegen sich und im Juli eine zweite. Im September kam der Rat dazu, wieder Absätze hineinzuschreiben, diesmal gegen das Verhalten eines neuen Modells.

Was Sie stattdessen lernen sollten

Das Prinzip hinter den Rezepten.

Was das Modell mit Ihrem Text macht. Es sagt Token für Token voraus, was als Nächstes plausibel ist, gegeben alles, was im Fenster steht. Ihr Text setzt die Bedingungen für diese Vorhersage: Er verschiebt, was wahrscheinlich wird. Wie aus dieser Verschiebung ein einzelnes Wort wird, steht in Kapitel 12.

Woran Sie merken, dass etwas nicht passt. Antworten zu lang, zu allgemein, am Thema vorbei, oder das Modell fragt nach, statt zu handeln. Bei einem gewachsenen Prompt lohnt zuerst das Weglassen, denn eine Zeile herauszunehmen ist billiger, als drei hinzuzufügen.

Manche Ursachen liegen allerdings außerhalb des Fensters, und dort sucht man sonst lange: Zwei verschiedene Antworten auf dieselbe Frage entstehen beim Ziehen (Kapitel 12), eine erfundene Zahl kann an der Bauform hängen (Kapitel 07), und was im Fenster fehlt, muss erst einmal jemand hineinlegen (Kapitel 08).

Dass Ihr Prompt ein Datum hat. Er wurde für ein bestimmtes Modell geschrieben. Wechselt das Modell, wird er zur Annahme statt zur Einstellung mehr.

Ein Prompt mit angehängtem Etikett, das Modell und Datum nennt, und zwei Wege beim Modellwechsel. Die Angabe hängt sichtbar am Prompt, wie ein Schild an einem Bauteil. Danach zwei Wege: gleiches Modell, dann gilt er, neues Modell, dann ist er eine Annahme. IHR PROMPT für Modell X Stand 04/2026 GLEICHES MODELL gilt weiter Einstellung NEUES MODELL wird zur Annahme muss neu geprüft werden Ohne die Angabe sieht man dem Prompt nicht an, wofür er einmal geschrieben wurde. Ohne Modell und Datum ist er später nicht bewertbar.
Ein Prompt gehört zu dem Modell, für das er geschrieben wurde. Nach einem Wechsel gilt er als ungeprüft.

eigene Darstellung, Stand 29.07.2026

Das betrifft nicht nur Entwickler. Die meisten Anwendungen lassen Sie das Modell in einem Auswahlfeld umstellen, und Ihre gespeicherte Vorlage daneben bleibt dieselbe. In diesem Moment ist aus der Einstellung eine Annahme geworden, ohne dass Sie etwas geändert hätten.

Der Nebenbefund, der eigentlich der Hauptbefund ist

Die vier Empfehlungen oben stehen auf einer Seite, die oben den jüngsten Stand zeigt und die älteren darunter weiterführt. Wer den Stand zu GPT-5.4 sehen will, findet ihn dort bis heute. Der Widerspruch ist also nachlesbar, und für dieses Kapitel war genau das die Voraussetzung: Ohne die getrennten Stände gäbe es die Tabelle oben nicht.

Auch die Adresse selbst bleibt nicht stehen. Am 05.10.2026 hieß die Seite „Using GPT-6“ und lag unter einer neuen Adresse. Die älteren Stände stehen dort weiter, unter „Previous models“, und die alten Adressen leiten dorthin um.

Was fehlt, ist die Zeitachse. Keine der vier Fassungen nennt ein Ver­öf­fent­li­chungs­datum. Die Daten in der Tabelle stehen hier, weil ein Dritter den 5.5-Stand notiert hat und ein Webarchiv die übrigen festhält. Beim Hersteller lässt sich ablesen, was heute dort steht. Seit wann, steht nirgends.

Ebenso wenig steht dort, was sich innerhalb eines Standes ändert. Der Leitfaden zu GPT-6 bekam zwei bis drei Wochen nach dem Erscheinen eine neue Bedingung, ohne Vermerk.

Und die Auskunft hat ein Verfallsdatum. Wird ein Modell abgekündigt, geht üblicherweise auch die Seite dazu, und dann fehlt der Vergleichspunkt. Auf dieser Seite gibt es dafür einen belegten Fall: Die Ankündigung, mit der OpenAI das Ende der ChatGPT-Plugins mitteilte, ist heute nur noch in einer Archivfassung (externe Seite, help.openai.com) zu lesen. Wer sich in einer Ent­schei­dungs­vor­lage auf eine Herstellerseite beruft, beruft sich damit auf etwas, das heute nachprüfbar ist und in einem Jahr vielleicht verschwunden.

Deshalb steht auf dieser Seite an jeder Quelle ein Prüfdatum, nachzulesen im Quellenregister. Bei diesem Kapitel war das der Anlass zum Schreiben.

Quellen

10 Einträge, davon 1 Schlüsselarbeit9 erreichbar · 1 abgeschaltet

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    Training language models to follow instructions with human feedback (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Ouyang und Mitautoren zeigen am 04.03.2022, dass ein deutlich kleineres, mit menschlicher Rückmeldung nachtrainiertes Modell hilfreicher antwortet als ein sehr viel größeres ohne. Das ist der Schritt, der aus einem Textfortsetzer einen Assistenten macht, und die Voraussetzung für ChatGPT acht Monate später.

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, Model guidance für GPT-5.4 (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Der Prompting-Leitfaden des Herstellers zum Stand GPT-5.4, erschienen am 05.03.2026. Er rät zu ausführlicher Anweisung: knappe, strukturierte Ausgaben vertraglich festlegen, Prüfschleifen vor folgenreichen Schritten einbauen, für kleinere Modelle länger und expliziter schreiben. Rechenzeit gilt als letzte Stellschraube, nicht als erste.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, Model guidance für GPT-5.5 (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Derselbe Leitfaden zum Stand GPT-5.5, veröffentlicht am 25.04.2026. Er nimmt den vorherigen Rat in Teilen zurück: das Modell als neue Familie behandeln statt als Ersatz, mit einem leeren Blatt beginnen statt alte Anweisungen zu übernehmen, ausführliche Schritt-für-Schritt-Vorgaben verringern oder streichen.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, Model guidance für GPT-5.6 (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Der Leitfaden zum Stand GPT-5.6, Entwicklerfassung vom 09.07.2026. Wiederholte Anweisungen und Beispiele wieder herausnehmen, Tool-Beschreibungen vereinfachen. Bei pauschalen Kürzungsanweisungen wie „Be concise“ ist zu prüfen, ob sie noch etwas leisten, weil das Modell von sich aus knapper antwortet. Er hängt an beide Empfehlungen eine Bedingung: behalten, was eine Produktanforderung festhält oder eine gemessene Lücke schließt.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Dokumentationerreichbar

    OpenAI, Model guidance für GPT-6 (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Der Leitfaden zum Stand GPT-6, erschienen am 03.09.2026 mit GPT-6 Astra. Sein Teil zum Prompten gibt fertige Prompt-Bausteine gegen Verhalten, das OpenAI an Astra beobachtet hat: häufigere Rückfragen, empfindlichere Reaktion auf Anweisungen in Dateien wie AGENTS.md, ausführliche und stark formatierte Antworten, zu seltenes Delegieren an Subagenten und zu breite Tests bei kleinen Aufgaben. Dazu kommt eine Liste zu vermeidender Füllwörter. Seit der Erweiterung auf die ganze GPT-6-Familie verlangt er, die Bausteine am eigenen Modell und an der eigenen Arbeitslast zu prüfen. Den Rat zum kleinsten Prompt aus den Ständen davor wiederholt er nicht.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Artikelerreichbar

    Simon Willison, GPT-5.5 prompting guide (externe Seite, simonwillison.net)

    simonwillison.netgeprüft 25.10.2026

    Datiert den Erscheinungstag des GPT-5.5-Leitfadens auf den 25.04.2026 und zitiert die Kernsätze wörtlich. Wird hier nur als Datumsbeleg geführt: Die Herstellerseite selbst nennt keinen Zeitpunkt, an dem sie geschrieben wurde.

  • Ankündigung des Herstellersabgeschaltet

    Winding down the ChatGPT plugins beta (externe Seite, help.openai.com)

    help.openai.comgeprüft 29.07.2026

    Die Abkündigung der ChatGPT-Erweiterungen mit beiden Stichtagen: Ab dem 19.03.2024 keine neuen Gespräche mehr, am 09.04.2024 Schluss. Nachfolger sind die GPTs mit Aktionen. Nennt nebenbei die Größenordnung des Verzeichnisses, gut tausend Erweiterungen.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    Learning to reason with LLMs (externe Seite, openai.com)

    openai.comgeprüft 25.10.2026

    OpenAI stellt am 12.09.2024 ein Modell vor, das vor der Antwort Zwischenschritte erzeugt und dafür mehr Rechenzeit zur Antwortzeit verbraucht. Der Zugewinn entsteht damit auch beim Antworten und nicht mehr nur beim Training. Das eröffnet einen zweiten Weg, Modelle besser zu machen.

  • Originalarbeiterreichbar

    Language Models are Few-Shot Learners (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    GPT-3, eingereicht am 28.05.2020. Zeigt, dass ein ausreichend großes Modell Aufgaben löst, für die es nie eigens trainiert wurde, wenn man ihm im Text ein paar Beispiele vorlegt. Das ist der Grund, warum Prompting überhaupt funktioniert. Die Zusammenfassung beschreibt außerdem, was vorher galt: Ein Sprachverarbeitungssystem brauchte für jede Aufgabe eigens gesammelte Beispiele, Tausende bis Zehntausende.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

  • Artikelerreichbar

    Anthropic, Effective context engineering for AI agents (externe Seite, anthropic.com)

    anthropic.comgeprüft 25.10.2026

    Anthropics Beitrag vom 29.09.2025, der den Begriff Context Engineering bestimmt: die Auswahl und Pflege aller Token, die beim Aufruf im Kontextfenster stehen, auch derer, die außerhalb des Prompts dorthin gelangen. Prompt Engineering ist darin ein Teil. Als Maßstab nennt er die kleinste Menge aussagekräftiger Token, die das gewünschte Ergebnis am wahrscheinlichsten macht.

    Archivfassung (externe Seite, web.archive.org)

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