GrundlagenGrundkursKapitel 14 von 16

Ein Bild, das es vorher nicht gab

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Bis hierhin handelte der Kurs von einem einzigen Vorgang: Ein Modell bewertet Token und wählt eines aus (Kapitel 12). Ein Bild entsteht auf einem anderen Weg, und der lässt sich in zwei Sätzen sagen.

Erst kaputtmachen, dann den Rückweg lernen

Die Arbeit, auf der Stable Diffusion und seine Linie stehen, ist von 2015 und nennt den Trick beim Namen. Die Grundidee, angeregt von der statistischen Physik ungleich­ge­wich­tiger Systeme, ist nach der Arbeit (externe Seite, arxiv.org), die Struktur in einer Verteilung von Daten systematisch und langsam zu zerstören, in einem schrittweisen Vorwärtsprozess der Diffusion.

Ein Bild wird also Schritt für Schritt in Rauschen verwandelt, bis nichts mehr davon übrig ist. Das ist die leichte Hälfte, denn kaputtmachen kann man ohne zu lernen. Gelernt wird die andere Richtung (externe Seite, arxiv.org): ein rückwärts laufender Prozess, der die Struktur wiederherstellt. Daraus entsteht nach den Autoren ein sehr anpassungsfähiges Modell, das neue Daten erzeugt und sich dabei noch berechnen lässt.

Wer den Rückweg beherrscht, braucht kein zerstörtes Bild mehr als Ausgangspunkt. Es genügt ein zufälliges Rauschmuster. Daraus entsteht Schritt für Schritt etwas, das aussieht wie ein Bild, und der eingegebene Text lenkt dabei, wohin die Schritte führen.

Zwei Reihen zu je fünf Feldern. Oben zerfällt ein Bild schrittweise zu Rauschen, das ist das Training. Unten klärt sich Rauschen schrittweise zu einem Bild, das ist die Benutzung. In beiden Reihen dasselbe Motiv aus Sonne und Bergzug. Oben steht es links klar und löst sich nach rechts in kurze Striche auf. Unten beginnt links reines Rauschen, ab der dritten Stufe zeichnet sich das Motiv gestrichelt ab, rechts steht es fertig. Unter jeder Reihe ein Pfeil mit der Richtung. BEIM TRAINIEREN STRUKTUR WIRD ZERSTÖRT BEIM BENUTZEN STRUKTUR WIRD WIEDERHERGESTELLT
Oben der Weg, den das Training geht, unten der Weg, den die Benutzung geht. Wie viele Stufen ein Modell wirklich rechnet, ist von Modell zu Modell verschieden und hier nicht dargestellt.

eigene Darstellung nach dem Verfahren aus diffusion-2015, Stand 07.08.2026

Seit 2025 ein zweites Verfahren

So arbeiten die Forschungslinie und die 2022 freigegebene Umsetzung. Im März 2025 brachte der bekannteste Anbieter eine zweite Bauform: Die Bilderzeugung von OpenAIs GPT-4o saß im Sprachmodell selbst und baute ein Bild Stück für Stück auf, so wie das Modell einen Text schreibt. Die Modellkarte (externe Seite, openai.com) begründet damit, was das neue Modell kann: Weil die Bilderzeugung tief im Aufbau von GPT-4o sitzt, das mehrere Medien in einem Modell verarbeitet, kann sie alles nutzen, was dieses Modell weiß.

Was sich dadurch ändert und was gleich bleibt, steht in Ebene 2. Die drei Folgen im nächsten Abschnitt gelten für beide Verfahren.

Was daraus für den Alltag folgt

Es wird nichts nachgeschlagen. In den Gewichten liegt kein Bildarchiv, aus dem etwas herausgesucht wird. Was entsteht, entsteht in diesem Moment.

Zweimal derselbe Auftrag gibt zwei Bilder. Beim Entrauschen ist der Ausgangspunkt ein Zufallsmuster, und ein anderes Muster führt zu einem anderen Ergebnis; beim zweiten Verfahren wird jedes Stück gezogen wie ein Token. Dieselbe Beobachtung wie beim Text, aus demselben Grund (Kapitel 12).

Ein Bild kommt fertig heraus. Es gibt darin keine Ebenen, keine Textfelder und keine Formen, die sich verschieben ließen. Wer ein Ergebnis braucht, das sich später ändern lässt, ist mit einem erzeugten Bild schlecht bedient.

Und was daraus für das Vertrauen folgt

Ein Bild zu erzeugen, kostet heute Sekunden und Cent. Damit verschiebt sich die Frage, die man vor einem Foto stellt. Bisher lautete sie, ob jemand die Aufnahme verändert hat. Jetzt kommt die Frage davor: ob es überhaupt eine gab.

Die naheliegende Hoffnung, ein anderes Modell könne das erkennen, erfüllt sich nicht. Kapitel 13 belegt das mit Anthropics Dokumentation: Ob ein Bild von einer Maschine stammt, kann Claude beim Ansehen nicht sagen. Googles Gemini-App, die Suche und Chrome geben auf Nachfrage trotzdem eine Antwort. Sie lesen dafür ein Zeichen, das beim Erzeugen ins Bild kam.

Deshalb setzen die Anbieter das Zeichen beim Erzeugen. Wie das aussieht, was es aushält und was seit dem 2. August 2026 rechtlich verlangt wird, steht in Ebene 3.

Quellen

14 Einträge, davon 2 Schlüsselarbeitenalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    Deep Unsupervised Learning using Nonequilibrium Thermodynamics (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Sohl-Dickstein und Mitautoren beschreiben am 12.03.2015 das Verfahren, auf dem die bekannten Bildmodelle der folgenden Jahre stehen: Struktur in den Daten wird schrittweise zerstört, und ein Netz lernt den Rückweg. Wer den Rückweg kann, fängt bei Rauschen an und bekommt ein Bild. Brauchbare Bildqualität brachte erst der Umbau der Trainingsvorschrift gut fünf Jahre später, siehe ddpm-2020.

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    Guidelines on the implementation of the transparency obligations for certain AI systems under Article 50 of the AI Act (externe Seite, digital-strategy.ec.europa.eu)

    digital-strategy.ec.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Die Auslegung der Kommission zu Artikel 50, angenommen am 20.07.2026, 13 Tage vor der Geltung. 51 Seiten mit Randnummern und praktischen Beispielen in beide Richtungen: was erfasst ist und was nicht. Nicht bindend, aber der Maßstab, an dem die Marktaufsicht prüft. Die Adresse zeigt auf die Seite mit dem Dokument, nicht auf die PDF-Datei selbst, damit der Prüflauf lesbaren Text vorfindet.

  • Originalarbeiterreichbar

    Addendum to GPT-4o System Card: 4o image generation (externe Seite, openai.com)

    openai.comgeprüft 25.10.2026

    OpenAIs Ergänzung zur Modellkarte von GPT-4o vom 25.03.2025, mit der die Bilderzeugung im Modell selbst eingeführt wurde. Sie ist der Beleg dafür, dass hinter einem erzeugten Bild bei OpenAI kein Diffusionsmodell rechnet: Abschnitt 2.1 der Druckfassung sagt, anders als DALL-E, das als Diffusionsmodell arbeite, sei die 4o-Bilderzeugung ein autoregressives Modell, das nativ in ChatGPT eingebettet ist. Dieser Satz steht nur im PDF, weshalb er hier nicht als Zitat geführt wird; die Seite selbst nennt die Einbettung in das Modell und die Fähigkeit, Text in Bilder zu setzen. Die GPT-Image-Modelle der Schnittstelle sind die Fortführung dieser Linie.

  • Originalarbeiterreichbar

    Denoising Diffusion Probabilistic Models (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Ho, Jain und Abbeel bauen am 19.06.2020 die Trainingsvorschrift des Diffusionsverfahrens um und erreichen auf dem Datensatz CIFAR10 den damaligen Höchststand beim FID-Wert. Die Arbeit ist der Schritt zwischen diffusion-2015 und den Bildmodellen ab 2022, Stable Diffusion eingeschlossen.

  • Originalarbeiterreichbar

    High-Resolution Image Synthesis with Latent Diffusion Models (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Robin Rombach, Andreas Blattmann, Dominik Lorenz, Patrick Esser und Björn Ommer reichen am 20.12.2021 den Schritt ein, der die Bilderzeugung aus dem Rechenzentrum auf eine einzelne Grafikkarte holte: Das Entrauschen findet in einem verdichteten Zwischenraum statt, in den ein zweites Netz das Bild zuvor übersetzt. Auf den Bildpunkten selbst rechnet dabei niemand mehr. Aus derselben Arbeit stammt die Kreuz-Aufmerksamkeit, über die ein Text die Erzeugung steuert. Die Umsetzung dieser Arbeit ist Stable Diffusion.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    Stable Diffusion Public Release (externe Seite, stability.ai)

    stability.aigeprüft 25.10.2026

    Die Freigabe eines Bildmodells samt Gewichten am 22.08.2022, drei Monate vor ChatGPT. Ab hier lässt sich Bilderzeugung auf eigener Hardware betreiben, und die Auseinandersetzung über Trainingsdaten und Urheberrecht beginnt beim Bild.

  • Dokumentationerreichbar

    Image generation (externe Seite, developers.openai.com)

    developers.openai.comgeprüft 25.10.2026

    Die Anleitung zum erzeugten Bild bei OpenAI, mit dem Stand vom 16.09.2026 und den beiden Modellen gpt-image-2.5-sunburst und gpt-image-2.5-flare. Drei Angaben stehen darin, die man von außen nicht sieht: Das Bild selbst wird in Ausgabe-Token abgerechnet, deren Zahl sich aus Modell, Güte und Bildgröße ergibt, dazu kommen Eingabe-Token für Text und Bilder, und ein günstigerer Satz für zwischengespeicherte Eingaben gilt bei GPT Image 2 und 2.5 nur für das Bildwerkzeug der Responses API. Der Abschnitt zu den Grenzen nennt genau die zwei Schwächen, die jeder kennt, der solche Bilder benutzt hat, nämlich Schrift im Bild und wiederkehrende Figuren.

  • Dokumentationerreichbar

    Image generation with Gemini (externe Seite, ai.google.dev)

    ai.google.devgeprüft 25.10.2026

    Googles Anleitung zum erzeugten Bild, und der Beleg für eine Zusage, die kein anderer Anbieter in dieser Form gibt: In jedem erzeugten Bild steckt ein Wasserzeichen. Der Satz steht zweimal auf der Seite, einmal bei den Modellen und einmal bei den Grenzen, und er kennt keine Ausnahme. Dieselbe Seite nennt auch den Weg um die Schriftschwäche herum, nämlich den Text zuerst erzeugen zu lassen und ihn dann ins Bild zu bestellen.

  • Dokumentationerreichbar

    Google DeepMind, SynthID (externe Seite, deepmind.google)

    deepmind.googlegeprüft 25.10.2026

    Ein Wasserzeichen, das beim Erzeugen in den Inhalt selbst eingebettet wird, für Bild, Ton, Text und Video, dazu ein Portal zum Nachprüfen. Die Reichweite hängt an einer Liste: Der Detector erkennt Inhalte von Google und von Partnern, die das Verfahren einsetzen, genannt sind OpenAI, NVIDIA und Kakao. Über den Sprachagenten eines Anbieters außerhalb dieser Liste sagt das Verfahren nichts.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    Google expands SynthID Detector for AI content (Pushmeet Kohli, Google DeepMind, 7. Oktober 2026) (externe Seite, blog.google)

    blog.googlegeprüft 25.10.2026

    Der Beitrag von Google DeepMind nennt den weltweiten Zugang auf Englisch, die Partner OpenAI, NVIDIA und Kakao sowie die Zahl der markierten Inhalte.

  • Originalarbeiterreichbar

    C2PA, Content Credentials Specification (externe Seite, spec.c2pa.org)

    spec.c2pa.orggeprüft 25.10.2026

    Die offene Spezifikation für den Herkunftsnachweis an einer Mediendatei, mit Ton ausdrücklich unter den Trägerformaten. Der Nachweis hängt an der Datei und beschreibt, womit sie erzeugt und was daran verändert wurde. Er sagt damit etwas über den Weg einer Aufnahme und nichts über die Stimme darin. Die Spezifikation benennt zugleich die Schwäche dieses Wegs: Ein Bild kann von seinem Nachweis getrennt werden, wenn die Metadaten verlorengehen.

  • Originalarbeiterreichbar

    Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz (externe Seite, eur-lex.europa.eu)

    eur-lex.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Der Rechtstext selbst, veröffentlicht am 12.07.2024 und in Kraft getreten am 01.08.2024. Er ordnet Anwendungen nach Risiko und legt die Pflichten je Stufe fest. Die Anwendbarkeit beginnt gestaffelt, nicht mit dem Inkrafttreten. Die Adresse zeigt seit dem 29.07.2026 auf die deutsche Fassung: Die Zitate unten stehen im Text so, wie er hier zitiert wird, und die Fassung ohne Sprachangabe liefert die englische.

  • Originalarbeiterreichbar

    Verordnung (EU) 2024/1689, konsolidierte Fassung vom 27.07.2026 (externe Seite, eur-lex.europa.eu)

    eur-lex.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Der Rechtstext in der Fassung nach der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 vom 08.07.2026, in Kraft seit dem 27.07.2026, mit 88 Änderungen. Vier davon betreffen die Aussagen dieser Seite: Artikel 4 ist neu gefasst und verlangt seither Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ohne ein garantiertes Niveau; Artikel 5 hat mit den Buchstaben ba und bb ein neuntes Verbot bekommen, das ab dem 02.12.2026 gilt; Artikel 113 nennt für Hochrisiko-Systeme zwei Termine, den 02.12.2027 für Anhang III und den 02.08.2028 für Anhang I; Artikel 111 gibt erzeugenden Systemen von vor dem 02.08.2026 für die maschinenlesbare Kennzeichnung Zeit bis zum 02.12.2026. Die Adresse der ursprünglichen Fassung (ai-act-2024) zeigt weiter den Wortlaut von 2024.

  • Dokumentationerreichbar

    Gemini API changelog (externe Seite, ai.google.dev)

    ai.google.devgeprüft 25.10.2026

    Die Änderungsliste der Gemini-Schnittstelle. Sie führt unter dem 15.06.2026 die Ankündigung, drei Bildmodelle der Imagen-Reihe am 17.08.2026 abzuschalten, und ist damit der Beleg dafür, dass auch ein Bildwerkzeug ein Ablaufdatum hat. Der Eintrag nennt keinen Nachfolger und verweist auf eine eigene Seite dafür. Unter dem 15.09.2026 meldet sie Gemini 3.8 Live als allgemein verfügbar, mit dem Tool Call ohne Warten als Voreinstellung. Unter dem 06.10.2026 meldet sie Nano Banana 2.1 mit der Kennung gemini-nano-banana-2.1, unter dem 08.10.2026 die Abkündigung von gemini-3.7-flash samt Umleitung auf gemini-3.8-flash.

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