GrundlagenKI jenseits der SprachmodelleKapitel 15 von 15

Ent­schei­dungs­mo­delle

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 7 Min. · Stand

Ein Programm, das eingehende Anfragen verteilt, stellt an jeder Stelle dieselbe Art von Frage: Gehört das hierhin oder dorthin, trifft diese Bedingung zu, wie dringend ist das. Die Antwort ist jedes Mal ein Wert aus einer bekannten Liste. Ein Sprachmodell schreibt stattdessen einen Satz, und das Programm muss daraus den Wert herauslesen.

Ein Ent­schei­dungs­mo­dell gibt den Wert direkt zurück, und zu jedem möglichen Wert eine Wahr­schein­lich­keit. Ollama hat eine Schnittstelle dafür am 28.09.2026 mit Version 0.35.0 eingebaut. Die Release-Notizen (externe Seite, github.com) fassen die Sache in einem Satz: Ein Ent­schei­dungs­mo­dell liefert eine Auswahl, Wahr­schein­lich­keiten und Bewertungen, wo ein Sprachmodell Text liefert.

Eine Antwort aus einer Liste, die man selbst vorgibt

Eine Anfrage an ein Ent­schei­dungs­mo­dell hat zwei Teile. Der erste ist der Text, über den entschieden wird: ein Ticket, eine Nachricht, ein Datensatz. Der zweite ist die Frage samt der erlaubten Antworten. Heraus kommt eine dieser Antworten, nie etwas anderes.

Das Beispiel aus Ollamas Release-Notizen ist eine Kundenmeldung, nach der der Bezahlvorgang seit neun Uhr mit Serverfehlern abbricht. Gefragt ist, welches von drei Etiketten passt: Abrechnung, Softwarefehler oder Konto. Die Antwort lautet Softwarefehler, mit einer Wahr­schein­lich­keit von 97,8 Prozent, dazu 1,3 Prozent für Abrechnung und 0,9 Prozent für Konto (Beleg (externe Seite, github.com)). Die drei Zahlen addieren sich zu eins, weil nur diese drei Antworten zur Wahl standen.

Das Vorbild stammt von TypeSafe. Die Firma hat ihr Modell Jev am 15.09.2026 in einer Ankündigung (externe Seite, typesafe.ai) als neue Klasse von Spitzenmodellen vorgestellt, gebaut für schnelle, strukturierte Entscheidungen, die Software unmittelbar weiterverarbeiten kann. Die Klasse heißt dort System-One-Modelle, nach Daniel Kahnemans schnellem, intuitivem Denken (Beleg (externe Seite, docs.typesafe.ai)).

Die Liste steht in der Anfrage

Einordnen ist eine alte Aufgabe der KI, und Kapitel 04 beschreibt, wie ein Klassifikator sie löst: Die Liste der Klassen steht fest, bevor das Training beginnt, und was darin fehlt, kann nicht herauskommen. Wer eine neue Klasse braucht, trainiert neu.

Beim Ent­schei­dungs­mo­dell steht die Liste in jeder Anfrage. Heute sind es drei Etiketten für Tickets, morgen fünf Abteilungen oder die Frage, ob eine Rückgabe in der Frist liegt. Das Modell hat gelernt, aus einer vorgelegten Liste zu wählen, und kennt die einzelne Liste vorher nicht. Das ist die Eigenschaft, die es vom Klassifikator trennt, und sie hat es vom Sprachmodell, auf dem es aufbaut: Es versteht die Beschreibung einer Antwort in gewöhnlicher Sprache.

Die Wahrscheinlichkeit gehört zur Antwort

Ein Sprachmodell sagt nicht von selbst, wie sicher es sich ist, und wer danach fragt, bekommt wieder einen Satz. Ein Ent­schei­dungs­mo­dell liefert die Zahl mit. Aus ihr wird eine Entscheidung erst durch eine Schwelle: Liegt die Wahr­schein­lich­keit darüber, handelt das Programm, liegt sie darunter, geht der Fall an einen Menschen oder an ein größeres Modell.

Diese Schwelle legt der Betreiber fest, genau wie bei jedem Klassifikator. Wer sie hoch ansetzt, bekommt weniger Fehler und mehr Fälle zum Nachsehen. Und die Zahl selbst ist eine Aussage des Modells über sich. Ob sie stimmt, muss man an den eigenen Daten nachmessen. Bespoke Labs, der Hersteller eines der ersten offenen Ent­schei­dungs­mo­delle, schreibt das in seinem Repository (externe Seite, github.com) ausdrücklich: Auch eine Wahr­schein­lich­keit von 0,9 heißt nicht, dass die Antwort auf den eigenen Daten in 90 Prozent der Fälle stimmt.

Warum das so ist und wie man damit umgeht, steht auf der Ebene „Für Profis“.

Drei Arten von Fragen

Die Schnittstelle von Ollama kennt, wie ihr Vorbild, drei Formen (Beleg (externe Seite, github.com)):

  • Auswahl (choice): eine Möglichkeit aus einer Liste, mit einer Wahr­schein­lich­keit für jede. Das Ticket-Beispiel oben ist eine.
  • Ja oder nein (noul): die Wahr­schein­lich­keit, dass eine Bedingung zutrifft. Enthält die Nachricht eine Bitte um Erstattung?
  • Einstufung (score): eine Stufe auf einer geordneten Skala, deren Stufen man beschreibt. Wie verärgert klingt die Kundin, von ruhig bis sehr verärgert?

Mehrere Fragen an denselben Text gehen in einer Anfrage.

Wofür man es einsetzt

Ollama nennt drei Aufgaben: Tickets sortieren, Anfragen an das passende Modell weitergeben und Inhalte einordnen (Beleg (externe Seite, github.com)). Gemeinsam ist ihnen, dass die Entscheidung klein ist, oft vorkommt und das Programm danach selbst weitermacht. Dort zählt, was ein Ent­schei­dungs­mo­dell billig macht: Es gibt ein einziges Token aus statt eines Satzes, kommt entsprechend schnell zurück, und die Antwort passt ohne Nacharbeit in den Code.

Wo eine Antwort begründet, formuliert oder zusammengefasst werden muss, ist es das falsche Werkzeug. Es kann keinen Text schreiben, auch keine Begründung für seine eigene Wahl.

Woran Sie den Einsatz festmachen

  • Steht die Liste der Antworten fest und gibt es viele Beispiele? Dann ist ein eigens trainierter Klassifikator meist billiger und genauer. Wechselt die Liste oder fehlen Beispiele, spricht das für ein Ent­schei­dungs­mo­dell.
  • Gibt es eine Antwort für keinen der Fälle? Das Modell wählt immer eine der erlaubten, auch wenn keine passt. Also eine anbieten.
  • Ist die Schwelle an eigenen Daten eingestellt? Eine Stichprobe mit bekannten Antworten ist die einzige Grundlage dafür.
  • In welcher Sprache sind die Texte? Die heutigen Modelle sind vor allem auf Englisch trainiert.

Wie das Modell unter der Haube zu seiner Zahl kommt, zeigt die Ebene „Mit Vorwissen“. Welche Modelle es gibt und was Hersteller und ein erster Vergleich von außen messen, steht im Beitrag Ent­schei­dungs­mo­delle geben eine Auswahl mit Wahr­schein­lich­keit zurück.

Quellen

15 Einträgealle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • Originalarbeiterreichbar

    Ollama v0.35.0 (externe Seite, github.com)

    github.comgeprüft 25.10.2026

    Die Release-Notizen beschreiben die Entscheidungsmodelle, die Schnittstelle /v1/systemone, die verfügbaren Modelle und ein Anfragebeispiel mit Antwort.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    TypeSafe, Introducing System One Models & Jev (externe Seite, typesafe.ai)

    typesafe.aigeprüft 25.10.2026

    Die Ankündigung vom 15.09.2026 durch den Gründer Diogo Almeida. Sie stellt System-One-Modelle als eigene Klasse vor, nennt das Trainingsverfahren RLCD, Preise und Antwortzeiten und vergleicht mit Sprachmodellen. Alle Zahlen sind Angaben des Herstellers, Architektur und Trainingsdaten legt er nicht offen.

  • Dokumentationerreichbar

    TypeSafe, System One (externe Seite, docs.typesafe.ai)

    docs.typesafe.aigeprüft 25.10.2026

    Die Begriffsseite der TypeSafe-Doku: was ein System-One-Modell ist, die drei Fragearten Choice, Score und Noul, die Herkunft des Namens aus Kahnemans Unterscheidung von schnellem und langsamem Denken und die Einschränkung, was Kalibrierung zusagt.

  • Dokumentationerreichbar

    Bespoke Labs, Nimble auf GitHub (externe Seite, github.com)

    github.comgeprüft 25.10.2026

    Rezept, Daten und Messung zu Nimble: wie die Antwort-Tokens bewertet werden, was das Modell nicht kann, die 2.676 Trainings- und 324 Prüfbeispiele und der Vergleich mit Jev und den unveränderten Basismodellen im Abschnitt Evaluation. Der Hersteller nennt den Test selbst eng, die Referenzantworten sind synthetisch.

  • Dokumentationerreichbar

    Ollama, Decision (externe Seite, docs.ollama.com)

    docs.ollama.comgeprüft 25.10.2026

    Die Anleitung zu Entscheidungsmodellen in Ollamas Doku, ergänzt um eine eigene Seite zur Schnittstelle /v1/systemone. Sie nennt Nimble, Tev1, Clef und Clef Flash als Entscheidungsmodelle und erklärt, dass die Clef-Modelle auch Bilder beurteilen und Version 0.35.1 oder neuer verlangen.

  • Originalarbeiterreichbar

    Ollama v0.35.1 (externe Seite, github.com)

    github.comgeprüft 25.10.2026

    Die Release-Notizen vom 29.09.2026. Sie nehmen Clef und Clef Flash von Cloudflare als weitere offene Entscheidungsmodelle in die Schnittstelle /v1/systemone auf; beide sind multimodal, eine Anfrage kann Bilder neben dem Text enthalten.

  • Dokumentationerreichbar

    Bespoke Labs, Bespoke-Nimble-9B, Modellkarte (externe Seite, huggingface.co)

    huggingface.cogeprüft 25.10.2026

    Die Karte zu Nimble, einem LoRA-Adapter für Qwen3.5-9B, der die erlaubten Antwort-Tokens direkt bewertet. Sie nennt Adaptergröße, Kontextgrenze, die Zahl der Möglichkeiten je Frage und die Temperatur des Bewertungsverfahrens. Stand ist der Checkpoint vom 24.09.2026.

  • Dokumentationerreichbar

    Together AI, Tev1-4B-experimental, Modellkarte (externe Seite, huggingface.co)

    huggingface.cogeprüft 25.10.2026

    Die Karte zu Tev1, einem Fine-Tuning von Qwen3.5-4B, das aus zwei bis 24 Möglichkeiten einen Buchstaben wählt. Sie nennt die empfohlene Systemanweisung, Entwicklungsergebnisse, Grenzen und den Stand der Lizenz.

  • Dokumentationerreichbar

    Together AI, Tev1 auf GitHub (externe Seite, github.com)

    github.comgeprüft 25.10.2026

    Datenrezept, Trainingsbeispiel und gespeicherte Ergebnisse zu Tev1: 37.840 Trainingsbeispiele, 880 von 1.000 Entscheidungen auf einem Entwicklungssatz, der während der Entwicklung mitbenutzt wurde. Der Code steht unter MIT, für Daten und Gewichte gelten eigene Bedingungen.

  • Originalarbeiterreichbar

    Ollama, Quelltext der Schnittstelle /v1/systemone (v0.35.0) (externe Seite, github.com)

    github.comgeprüft 25.10.2026

    Die Umsetzung der Entscheidungsmodelle in Ollama 0.35.0. Der Kopf beschreibt den Weg von der typisierten Frage zu den bewerteten Antwortkandidaten, weiter unten steht die Rechnung für das Feld confidence: eins minus die Entropie der Verteilung, geteilt durch den Logarithmus der Zahl der Möglichkeiten.

  • Dokumentationerreichbar

    Meta, Llama Guard, Modellkarte (externe Seite, huggingface.co)

    huggingface.cogeprüft 25.10.2026

    Die Modellkarte zu einem Sprachmodell, dessen einzige Aufgabe die Einstufung von Eingaben und Antworten ist. Sie legt die Mechanik offen: Das Modell liefert eine Wahrscheinlichkeit, und wer es einsetzt, wählt selbst die Schwelle, ab der etwas als unsicher gilt. Die Gewichte stehen hinter einer Anmeldung. Der Kartentext selbst wird frei ausgeliefert.

  • Originalarbeiterreichbar

    OpenAI, GPT-4 Technical Report (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Der technische Bericht zu GPT-4. Abbildung 8 zeigt die Kalibrierung an Auswahlfragen aus MMLU, gemessen an der Wahrscheinlichkeit der Antwortbuchstaben: gut beim vortrainierten Modell, deutlich schlechter nach dem Nachtraining.

  • Originalarbeiterreichbar

    Language Models (Mostly) Know What They Know (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Saurav Kadavath und weitere, Anthropic, 2022. Die Arbeit misst, wie gut Sprachmodelle ihre eigene Sicherheit einschätzen, und findet große Modelle bei Auswahl- und Wahr-falsch-Fragen gut kalibriert, sofern das Format passt.

  • Dokumentationerreichbar

    TypeSafe, Confidence (externe Seite, docs.typesafe.ai)

    docs.typesafe.aigeprüft 25.10.2026

    Wie TypeSafe das Feld confidence bildet und wie man damit Schwellen je nach Tragweite einer Handlung setzt. Die Formel steht in der Rechenhilfe der Seite: die Zahl der Möglichkeiten mal die höchste Wahrscheinlichkeit, minus eins, geteilt durch die Zahl der Möglichkeiten minus eins.

  • Dokumentationerreichbar

    TypeSafe, Models (externe Seite, docs.typesafe.ai)

    docs.typesafe.aigeprüft 25.10.2026

    Die Modellseite der TypeSafe-Doku mit Jev 1.13: Preis je Eingabe-Token, Ratenlimits, Kontextlänge, Aliasnamen und die Empfehlung, eingestellte Schwellen an eine feste Fassung zu binden. Dazu der Hinweis, dass Englisch die Haupttrainingssprache ist.

↑↓ auswählenEnter öffnenDie Suche läuft im Browser. Nichts wird übertragen.