GrundlagenKI jenseits der SprachmodelleKapitel 14 von 15

Physical AI

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Alles, was auf dieser Seite bisher vorkam, spielt sich auf einem Bildschirm ab. Ein Modell bekommt Text, Bilder oder Ton und gibt Text, Bilder oder Ton zurück. Physical AI meint den Fall, in dem am Ausgang eine Bewegung steht.

Ein Greifarm, der ein Reagenzglas umsetzt. Ein Fahrzeug, das bremst. Ein Laufroboter, der eine Kiste hebt. Der Unterschied zum Chatfenster liegt darin, dass ein Fehler hier etwas anfasst.

Wo der Begriff herkommt

Populär gemacht hat ihn NVIDIA, und die knappste Bestimmung steht in einer Ankündigung vom Januar 2026 (externe Seite, nvidianews.nvidia.com): Gemeint sind Modelle, die die wirkliche Welt verstehen, darüber nachdenken und Handlungen planen.

Drei Teile also: die Welt verstehen, überlegen, Handlungen planen. Derselbe Text schiebt einen Vergleich hinterher, den man im Ohr behalten sollte, weil er von einem Hersteller stammt, der die Rechenkarten dazu verkauft: Für die Robotik sei jetzt ihr ChatGPT-Moment (externe Seite, nvidianews.nvidia.com) gekommen.

Auf Deutsch schreibt dasselbe Haus physische KI (externe Seite, blogs.nvidia.de), in Überschrift und Einleitung. In der Wirtschaftspresse lesen Sie beides.

Warum Bewegung schwerer ist als Text

Die Fähigkeiten von Sprachmodellen wachsen mit der Menge an Text, die es im Netz gibt. Für Bewegung gibt es diesen Vorrat nicht. Physical Intelligence, eine Firma, die genau daran arbeitet, schreibt im Beitrag zu ihrem Modell π0 (externe Seite, pi.website), dass es einen solchen Schatz an Roboterdaten nicht gibt. Damit ein Roboter eine neue Fähigkeit lernt, müssen große Datenmengen mit genau diesem Roboter und für genau diese Anwendung gesammelt werden.

Wer eine Million Beispiele braucht und sie einzeln von Hand aufnehmen muss, kommt nicht weit.

Dazu kommt eine Umkehrung, die seit den achtziger Jahren bekannt ist und die dieselbe Firma auf ihren Fall münzt: Wer ein Hemd zusammenlegen oder einen Tisch abräumen will, muss nach ihrer Darstellung (externe Seite, pi.website) einige der schwierigsten technischen Probleme lösen, die je gestellt wurden.

Schach und Proteinfaltung gelten als gelöst. Ein Hemd zusammenlegen gilt als schwer. Was ein Kind nebenbei kann, ist für eine Maschine die härtere Aufgabe.

Die Bauform hat einen Namen

Was heute gebaut wird, heißt Vision-Language-Action-Modell, kurz VLA. Google DeepMind beschreibt es auf der Modellseite von Gemini Robotics (externe Seite, deepmind.google) in einem Satz: Sein fort­ge­schrit­tenstes VLA-Modell setzt Bild- und Spracheingaben in Motorsteuerung um, damit ein Roboter handeln kann.

Die Fassung, die diese Seite heute führt, heißt Gemini Robotics 2. Sie steuert nach Herstellerangabe (externe Seite, deepmind.google) auch einen ganzen humanoiden Körper, von den Füßen bis zu den Fingerspitzen.

Zugang gibt es bisher über eine Warteliste.

Hinein gehen also Kamerabilder und ein Satz in normaler Sprache. Heraus kommen Steuerbefehle für Gelenke und Greifer. Es ist derselbe Aufbau wie bei einem Sprachmodell mit Bildeingang aus Grundkurs, Kapitel 13, mit einer weiteren Ausgabeform hinten dran.

Ein Beispiel dieser Bauform steht schon in diesem Pfad: Das Robotermodell von Generalist AI in Kapitel 01 nimmt Video, Sprache und Gelenkstellungen entgegen und gibt hundert Steuerbefehle je Sekunde aus.

Wo geübt wird, wenn die Welt zu teuer ist

Aus dem Datenproblem folgt die zweite Hälfte des Gebiets. Wenn echte Versuche zu teuer sind, wird woanders geübt: in einer Simulation oder in einem Modell, das die Umgebung selbst vorhersagt. Wie das geht und wo es aufhört, steht in Kapitel 09.

Für dieses Kapitel reicht die Aufgabenteilung: Ein Weltmodell sagt vorher, was passieren würde. Ein VLA-Modell entscheidet, was zu tun ist. Geübt wird in einer Nachbildung, gehandelt wird mit dem Modell.

Wo solche Systeme heute wirklich arbeiten

Die sichtbaren Beispiele sind Laufroboter auf Messeständen. Die Belege, die sich heute nachlesen lassen, kommen aus Laboren und Fer­ti­gungs­be­trieben, und die Aufgabe dort ist unspektakulär: Geräte verschiedener Hersteller sprechen verschiedene Sprachen, und jemand muss übersetzen.

Anthropic hat dafür im August 2026 den Model Hardware Standard vorgestellt, zunächst als For­schungs­vor­schau für eine erste Gruppe von Laboren und Herstellern; quelloffen soll er später werden. Er gibt Agenten einen einheitlichen Zugang zu Mikroskopen, Pipettierrobotern und Greifarmen. Das Einbinden der Geräte, das bisher Wochen bis Monate dauerte, schrumpft damit laut der Vorstellung des Standards (externe Seite, anthropic.com) auf Stunden oder Minuten.

Was hier gebaut wird, ist die physische Entsprechung zu dem, was das Model Context Protocol für Software tut, und das steht in Grundkurs, Kapitel 09.

Was die Anbieter selbst einschränken

Der klarste Satz über die Grenze dieser Systeme stammt vom Anbieter, dessen Modell darin steckt. In der Ankündigung des Standards (externe Seite, anthropic.com) schreibt Anthropic, Claude lerne die physische Welt als großes Sprachmodell aus Text und Bildern kennen. Sein räumliches und physikalisches Schlussfolgern habe deshalb Grenzen, die weiterhin die Aufsicht von Fachleuten verlangen.

Ein Modell, das die Welt aus Text und Bildern kennt, hat sie nie angefasst. Bei Genentech hielt Claude eine Schaumbildung in einer Probe für einen Softwarefehler und wiederholte den Vorgang, was den Schaum vermehrte. Ein Mensch musste erklären, dass hier die Physik im Weg stand.

Woran Sie ein solches System festmachen

Fragen Sie, was am Ausgang steht. Kommt dort Text heraus, den ein Programm danach in Bewegung übersetzt, oder Steuerbefehle direkt aus dem Modell? Das ist der Unterschied zwischen einem Sprachmodell mit Roboteranschluss und einem VLA-Modell.

Fragen Sie, wo die Trainingsdaten herkommen. Aufgenommene Bewegung, Video aus dem Netz oder Simulation. Jede der drei Quellen hat eine andere Lücke zur Wirklichkeit.

Fragen Sie, wer gemessen hat. In diesem Gebiet stammen fast alle Zahlen vom Hersteller selbst, und unabhängige Wiederholungen sind die Ausnahme.

Und fragen Sie nach dem Menschen daneben. Solange die Anbieter Fachaufsicht verlangen, ist ein solches System ein Werkzeug mit Bediener.

Quellen

12 Einträge, davon 1 Schlüsselarbeitalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    π0: A Vision-Language-Action Flow Model for General Robot Control (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Black und 23 Mitautoren stellen am 31.10.2024 ein Grundmodell für Roboter vor, das über mehrere Bauformen hinweg dieselbe Steuerung fährt, von Einzelarm bis mobiler Greifer. Erschienen bei der Konferenz Robotics: Science and Systems 2025 und damit begutachtet, was in diesem Gebiet die Ausnahme ist. Beschreibt das Verfahren, ein vortrainiertes Bild-Sprach-Modell um einen fortlaufenden Bewegungsausgang zu erweitern.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    NVIDIA Releases New Physical AI Models as Global Partners Unveil Next-Generation Robots (externe Seite, nvidianews.nvidia.com)

    nvidianews.nvidia.comgeprüft 25.10.2026

    NVIDIAs CES-Ankündigung vom 05.01.2026 bestimmt den Begriff in einem Halbsatz und nennt dazu, wer darauf baut: Boston Dynamics, Caterpillar, Franka Robotics, LG Electronics, NEURA Robotics. Vorgestellt werden Cosmos, das VLA-Modell GR00T N1.6, der Prüfstand Isaac Lab-Arena und das Jetson-T4000-Modul. Eine Herstellerankündigung, und derselbe Hersteller verkauft die Rechenkarten dazu.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    π0: Our First Generalist Policy (externe Seite, pi.website)

    pi.websitegeprüft 25.10.2026

    Der Begleittext von Physical Intelligence zur Arbeit, und die deutlichste Beschreibung des Datenproblems der Robotik: Für Sprache liegt das Netz bereit, für Bewegung gibt es nichts Vergleichbares. Nennt acht Roboterbauformen im Training, bis zu 50 Steuerbefehle je Sekunde und ein Ausgangsmodell mit 3 Milliarden Parametern. Die Vergleichswerte gegen OpenVLA und Octo hat das Haus selbst erhoben.

  • Dokumentationerreichbar

    Google DeepMind, Gemini Robotics (externe Seite, deepmind.google)

    deepmind.googlegeprüft 25.10.2026

    Die Modellseite von Google DeepMind, laufend überschrieben und ohne Datum je Fassung. Sie erklärt die Bauform Vision-Language-Action in einem Satz und trennt sie vom Modell für räumliches Denken. Ohne hinterlegtes Zitat wäre ein Verweis darauf eine Aussage über den heutigen Stand.

  • Dokumentationerreichbar

    Google DeepMind, Gemini Robotics 2 (externe Seite, deepmind.google)

    deepmind.googlegeprüft 25.10.2026

    Die Modellseite zu Gemini Robotics 2, dem VLA-Modell, das Google DeepMind am 09.10.2026 als sein fortgeschrittenstes führt. Nach Herstellerangabe steuert es Roboter vom Tischarm bis zum ganzen humanoiden Körper und hält dabei den Schwerpunkt im Gleichgewicht. Zugang gibt es über eine Warteliste. Ein Datum nennt die Seite nicht.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    Previewing the Model Hardware Standard (externe Seite, anthropic.com)

    anthropic.comgeprüft 25.10.2026

    Anthropic-Ankündigung des Model Hardware Standard, Beleg für Funktionsweise und Einsatzbereiche der Laborgeräte-Steuerung.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    NVIDIA und weltweit führende Robotik-Unternehmen bringen physische KI in die reale Welt (externe Seite, blogs.nvidia.de)

    blogs.nvidia.degeprüft 25.10.2026

    Die deutsche Fassung der GTC-Ankündigung vom 17.03.2026, und hier der Beleg für ein Wort: NVIDIA schreibt in Überschrift und Einleitung „physische KI“ und benutzt „physikalisch“ nur für die Genauigkeit einer Simulation. Dazu die Namen der Industrieroboter-Hersteller, die Omniverse und Isaac in ihre Werkzeuge einbauen, darunter KUKA, ABB, FANUC und YASKAWA.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    Gemini Robotics brings AI into the physical world (externe Seite, deepmind.google)

    deepmind.googlegeprüft 25.10.2026

    Google DeepMind stellt am 12.03.2025 zwei Modelle vor und führt dabei die Bauform Vision-Language-Action als eigene Kategorie ein: ein Sprachmodell, das Bewegung als zusätzliche Ausgabeform bekommt. Nennt Apptronik als Partner für humanoide Roboter, den Datensatz ASIMOV für Sicherheitsmessungen und eine Verdopplung auf einem Verallgemeinerungs-Maßstab. Diese Zahl stammt aus dem eigenen technischen Bericht.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    NVIDIA Launches Cosmos 3, the Open Frontier Foundation Model for Physical AI (externe Seite, nvidianews.nvidia.com)

    nvidianews.nvidia.comgeprüft 25.10.2026

    Cosmos 3, vorgestellt am 31.05.2026 auf der GTC Taipei. Die Ankündigung benennt das Grundproblem des Gebiets in einem Satz, nämlich verallgemeinern mit wenig Trainingsmaterial, und beschreibt, wozu ein Weltmodell darin dient. Die Rangplätze auf den genannten Ranglisten und die Zeitersparnis von Monaten auf Tage sind Eigenangaben ohne unabhängige Nachmessung.

  • Originalarbeiterreichbar

    A Survey: Learning Embodied Intelligence from Physical Simulators and World Models (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    Eine Übersichtsarbeit von 18 Autoren, eingereicht am 01.07.2025 und zuletzt am 03.09.2025 überarbeitet. Sie ordnet das Gebiet nach den zwei Grundlagen, auf denen es steht: der Simulator außen, das Weltmodell innen. Ein Preprint ohne Begutachtung, brauchbar für die Einordnung des Feldes und nicht als Messung.

  • Originalarbeiterreichbar

    Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen (externe Seite, eur-lex.europa.eu)

    eur-lex.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Die Maschinenverordnung im Amtsblatt von 2023. Sie löst die Maschinenrichtlinie von 2006 ab. Neben der KI-Verordnung ist sie das zweite Gesetz, das eine lernende Maschine trifft. Hier steht der Erwägungsgrund, der fest programmierte Software abgrenzt; Erwägungsgründe stehen nur im Amtsblatt. Den Anwendungsbeginn nennt diese Fassung mit dem 14.01.2027; eine Berichtigung hat ihn auf den 20.01.2027 gesetzt, siehe maschinenverordnung-konsolidiert-2026.

  • Originalarbeiterreichbar

    Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen, konsolidierte Fassung vom 27.07.2026 (externe Seite, eur-lex.europa.eu)

    eur-lex.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Der geltende Text der Maschinenverordnung mit den Berichtigungen und den Änderungen durch die Verordnungen (EU) 2024/2748 und 2026/1744. Nach Artikel 54 gilt sie ab dem 20.01.2027, und mit demselben Tag wird die Richtlinie 2006/42/EG aufgehoben (Artikel 51); beide Daten hat die Berichtigung C1 gesetzt, im Amtsblatt stand für den Anwendungsbeginn der 14.01.2027. Anhang I führt Sicherheitsbauteile mit selbstentwickelndem Verhalten als eigene Klasse, Anhang III verlangt, dass Änderungen auch während der Lernphase verhindert werden, wenn sie gefährden.

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