GrundlagenKI jenseits der SprachmodelleKapitel 01 von 15

Die Spiel­arten der KI

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Grundkurs, Kapitel 01 sagt einen Satz und lässt ihn offen: KI ist der Oberbegriff für das ganze Feld, und Sprachmodelle sind ein Teil davon. Dieses Kapitel sagt, was der Rest ist.

Die Frage hat eine verbindliche Antwort. Die KI-Verordnung der Europäischen Union bestimmt in Artikel 3, was ein KI-System ist, und dieser Teil ist seit dem 02.02.2025 anwendbar: Ab diesem Tag gelten laut der Regel zum Geltungsbeginn (externe Seite, eur-lex.europa.eu) die ersten beiden Kapitel der Verordnung, und Artikel 3 steht im ersten. Die Verordnung selbst ist am 01.08.2024 in Kraft getreten, ihre Pflichten greifen gestaffelt. An der Bestimmung in Artikel 3 hängt, wer überhaupt unter das Gesetz fällt.

Was ein KI-System ist

Die Bestimmung in Artikel 3 (externe Seite, eur-lex.europa.eu) beschreibt ein KI-System als maschi­nen­ge­stütztes System, das mehr oder weniger selbständig arbeiten soll, sich nach dem Start im Betrieb verändern kann und aus seinen Eingaben für ausdrückliche oder unausgesprochene Ziele ableitet, wie es Ausgaben erzeugt. Solche Ausgaben sind etwa Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen, und sie können auf eine physische oder virtuelle Umgebung einwirken.

Der Satz lässt sich in Merkmale zerlegen, und wie viele es sind, hängt vom Schnitt ab. Hier sind es fünf: Eine Maschine führt es aus, es arbeitet mehr oder weniger selbständig, es kann sich im Betrieb ändern, es verfolgt Ziele, und es leitet ab. Das letzte ist das entscheidende.

Wo die Grenze nach unten verläuft

Die Begründung zur Verordnung (externe Seite, eur-lex.europa.eu) sagt ausdrücklich, was draußen bleibt: Ein System, das Abläufe automatisch nach Regeln abarbeitet, die allein Menschen festgelegt haben, fällt nicht unter den Begriff.

Eine Lohnabrechnung ist damit kein KI-System, auch wenn sie tausend Sonderfälle kennt. Jemand hat jede dieser Regeln aufgeschrieben. Dasselbe gilt für einen Steuerrechner, für die Ampelschaltung an einer Kreuzung und für den Serienbrief. Kompliziert und lernend sind zwei verschiedene Eigenschaften.

Was stattdessen zählt, steht im nächsten Satz der Begründung (externe Seite, eur-lex.europa.eu): Kennzeichnend für ein KI-System ist vor allem, dass es ableiten kann.

Ableiten heißt hier: aus Eingaben etwas erzeugen, das so vorher nirgends festgelegt war. Die Verordnung grenzt das gegen bloßes Rechnen (externe Seite, eur-lex.europa.eu) ab: Ableiten reiche weiter als einfache Datenverarbeitung, weil es Lernen, Schlussfolgern und das Bilden von Modellen möglich mache.

Zwei Familien, und das Gesetz nennt beide

An derselben Stelle (externe Seite, eur-lex.europa.eu) steht, womit sich das Ableiten überhaupt bauen lässt. Genannt werden zwei Arten von Ansätzen: maschinelles Lernen, das aus Daten lernt, wie sich bestimmte Ziele erreichen lassen, und Konzepte auf der Grundlage von Logik und Wissen, die aus einer kodierten oder symbolisch dargestellten Fassung der Aufgabe ableiten.

Das sind die zwei großen Familien des Fachs, in einem einzigen Satz.

Die lernende Familie zieht ihr Verhalten aus Beispielen. Niemand schreibt auf, woran eine Katze zu erkennen ist; das Verfahren sieht viele Bilder und findet es selbst. Wie das geht, steht in Kapitel 02.

Die schließende Familie bekommt Wissen in aufgeschriebener Form und leitet daraus ab. Ein System für Mate­ri­al­be­stel­lungen kennt Regeln über Bauteile und Lieferfristen und folgert daraus eine Empfehlung. Diese Familie ist die ältere von beiden, und sie arbeitet weiter: in Planungssystemen, in der Routenberechnung und in der Suche im Spielbaum.

Sprachmodelle gehören zur ersten Familie. Sie sind darin ein sehr kleiner Ausschnitt.

Was außer Sprache noch KI ist

Fünf Anwendungen, und keine davon ist ein Sprachmodell. Drei haben einen eigenen Beleg, zwei einen Verweis auf das Kapitel, das sie behandelt.

Spiele. Die AlphaGo-Arbeit (externe Seite, nature.com) erschien im Januar 2016 und beschreibt eine Mischung aus beiden Familien: einen neuen Suchalgorithmus, der Monte-Carlo-Simulation mit einem Bewertungsnetz und einem Zugwahlnetz verbindet.

Zwei gelernte Netze lenken eine klassische Suche im Spielbaum. Gemeldet wird darin der erste Sieg eines Programms gegen einen Berufsspieler auf vollem Brett (externe Seite, nature.com), gewonnen im Herbst zuvor gegen den Europameister. Die öffentlich bekannte Partie gegen Lee Sedol folgte zwei Monate nach dem Erscheinen.

Wissenschaft. AlphaFold sagt vorher, wie sich ein Eiweiß faltet. DeepMind beschreibt das System als auf­merk­sam­keits­ba­siertes neuronales Netz, von Ende zu Ende trainiert (externe Seite, deepmind.google), gebaut für diese eine Aufgabe. Dieselbe Bauform, die Sprachmodelle benutzen, beantwortet hier eine Frage der Biochemie.

Gesprochene Sprache. Aus Schall wird Text, und aus Text wird Schall. Beides sind eigene Verfahren mit eigener Geschichte. Wie die Erkennung im Sprachagenten eingesetzt wird, steht in Conversational AI, Kapitel 02; die Verfahren selbst stehen in Kapitel 07 und Kapitel 08.

Bilder. Ein Bildmodell erzeugt etwas, das es vorher nicht gab. Die Linie um Stable Diffusion lernt dafür, Rauschen schrittweise zu entfernen. Bei GPT-4o saß die Bilderzeugung 2025 im Sprachmodell selbst, so die Modellkarte (externe Seite, openai.com). Beide Verfahren stehen in Grundkurs, Kapitel 14. Die Gegenrichtung, also das Auswerten vorhandener Bilder, ist ein eigenes Fach und steht in Kapitel 05.

Roboter. Generalist AI stellte 2026 ein Modell vor, das aus Video, Sprache und Gelenkstellungen Bewegungen erzeugt. Die Ankündigung zu GEN-1.5 (externe Seite, generalistai.com) beschreibt es als großes multimodales Modell: Es verarbeitet Video mit einem Gedächtnis von 30 Sekunden, dazu weitere Sensordaten, Sprache und die Stellung der eigenen Gelenke, und gibt Bewegungsbahnen mit 100 Hz aus.

Hundert Steuerbefehle je Sekunde an einen Körper, der etwas anfasst. Die Zahlen stammen vom Hersteller, eine unabhängige Messung dazu liegt nicht vor. Wie ein solches System übt, ohne dafür jedes Mal etwas anfassen zu müssen, steht in Kapitel 09. Das Gebiet dahinter steht in Kapitel 14.

Wo das Sprachmodell darin sitzt

Von außen nach innen: Künstliche Intelligenz ist das Fach. Maschinelles Lernen ist die Familie darin, die aus Daten lernt. Neuronale Netze sind das Verfahren, mit dem diese Familie heute fast immer arbeitet. Sprachmodelle sind eine Bauform davon, zugeschnitten auf Text.

Jede dieser Schachteln ist kleiner als die vorige, und an zwei Stellen ist die Ordnung ungenauer, als sie aussieht. Das steht in Tiefe 2.

Woran Sie die Einordnung festmachen

Fragen Sie, wer die Regel aufgeschrieben hat. Steht sie in einem Programm, ist es Software. Ist sie aus Beispielen entstanden, ist es maschinelles Lernen.

Trennen Sie das Fach von seinem bekanntesten Vertreter. Wer über KI redet und Sprachmodelle meint, lässt den größeren Teil des Feldes weg.

Achten Sie auf den Gegenstand, den ein Verfahren bearbeitet. Text, Bild, Ton und Bewegung brauchen verschiedene Eingänge, auch wenn im Inneren Verwandtes rechnet.

Nehmen Sie die Rechtsdefinition ernst, wenn es um Pflichten geht. Sie entscheidet, was unter die Verordnung fällt. Maßgeblich ist dabei das Ableiten, und die Bezeichnung im Werbetext zählt an dieser Stelle gar nicht.

Quellen

7 Einträgealle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • Originalarbeiterreichbar

    Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz (externe Seite, eur-lex.europa.eu)

    eur-lex.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Der Rechtstext selbst, veröffentlicht am 12.07.2024 und in Kraft getreten am 01.08.2024. Er ordnet Anwendungen nach Risiko und legt die Pflichten je Stufe fest. Die Anwendbarkeit beginnt gestaffelt, nicht mit dem Inkrafttreten. Die Adresse zeigt seit dem 29.07.2026 auf die deutsche Fassung: Die Zitate unten stehen im Text so, wie er hier zitiert wird, und die Fassung ohne Sprachangabe liefert die englische.

  • Originalarbeiterreichbar

    Mastering the game of Go with deep neural networks and tree search (externe Seite, nature.com)

    nature.comgeprüft 25.10.2026

    Die Arbeit hinter AlphaGo. Sie beschreibt, wie zwei Netze die Suche im Spielbaum lenken, und meldet den ersten Sieg eines Programms gegen einen Profispieler auf vollem Brett ohne Vorgabe. Zwei Monate später folgte das öffentliche Spiel gegen Lee Sedol.

  • Ankündigung des Herstellerserreichbar

    AlphaFold: a solution to a 50-year-old grand challenge in biology (externe Seite, deepmind.google)

    deepmind.googlegeprüft 25.10.2026

    Die Ankündigung zum Abschneiden bei CASP14 im November 2020, dem Wettbewerb, in dem Vorhersagen zur Faltung von Eiweißen gegen gemessene Strukturen antreten. Der Beleg dafür, dass derselbe Mechanismus der Aufmerksamkeit auch Fragen außerhalb der Sprache beantwortet. Die Ankündigung beschreibt das System als aufmerksamkeitsbasiertes neuronales Netz, gebaut für diese eine Aufgabe.

  • Dokumentationerreichbar

    GEN-1.5: Embodied Foundation Models are One-Shot Learners (externe Seite, generalistai.com)

    generalistai.comgeprüft 25.10.2026

    Der Blogpost von Generalist AI nennt Erfolgsquoten, Trainingsschritte und die Dauer des Pre-Trainings, Beleg für alle Zahlen der Meldung.

  • Originalarbeiterreichbar

    Addendum to GPT-4o System Card: 4o image generation (externe Seite, openai.com)

    openai.comgeprüft 25.10.2026

    OpenAIs Ergänzung zur Modellkarte von GPT-4o vom 25.03.2025, mit der die Bilderzeugung im Modell selbst eingeführt wurde. Sie ist der Beleg dafür, dass hinter einem erzeugten Bild bei OpenAI kein Diffusionsmodell rechnet: Abschnitt 2.1 der Druckfassung sagt, anders als DALL-E, das als Diffusionsmodell arbeite, sei die 4o-Bilderzeugung ein autoregressives Modell, das nativ in ChatGPT eingebettet ist. Dieser Satz steht nur im PDF, weshalb er hier nicht als Zitat geführt wird; die Seite selbst nennt die Einbettung in das Modell und die Fähigkeit, Text in Bilder zu setzen. Die GPT-Image-Modelle der Schnittstelle sind die Fortführung dieser Linie.

  • Originalarbeiterreichbar

    Learning Transferable Visual Models From Natural Language Supervision (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 25.10.2026

    CLIP, eingereicht am 26.02.2021. Der Beleg dafür, dass Bild und Text lange vor den heutigen multimodalen Modellen in einem gemeinsamen Raum lagen: Ein Bild- und ein Textnetz werden gleichzeitig darauf trainiert, dass zusammengehörige Paare denselben Platz bekommen. Abschnitt 2.3 sagt es wörtlich: „CLIP learns a multi-modal embedding space by jointly training an image encoder and text encoder to maximize the cosine similarity of the image and text embeddings“. Diese Stelle steht im Volltext und ist deshalb ohne hinterlegtes Zitat, der Prüflauf liest die Abstract-Seite.

  • Dokumentationerreichbar

    The Commission publishes guidelines on AI system definition to facilitate the first AI Act's rules application (externe Seite, digital-strategy.ec.europa.eu)

    digital-strategy.ec.europa.eugeprüft 25.10.2026

    Die Ankündigung der Leitlinien zur Bestimmung eines KI-Systems, veröffentlicht am 06.02.2025. Zwei Angaben zählen daran: Die Leitlinien sind ausdrücklich unverbindlich und auf Fortschreibung angelegt, und die Seite nennt, welche drei Teile der Verordnung am 02.02.2025 zu gelten begannen. Die Leitlinien selbst liegen nur als PDF vor und sind deshalb nicht zitierfähig; hier steht die Seite, die sie ankündigt.

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