Claude CodeKapitel 13 von 31

Daten auswerten

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Eine Tabelle, eine Frage, eine Zahl als Antwort: So sieht eine Auswertung von außen aus. Claude Code schreibt dafür eine Abfrage oder ein kleines Programm, führt es aus und liest das Ergebnis. Eine Befragung unter Sozi­al­wis­sen­schaft­lern (externe Seite, anthropic.com) beschreibt, was Coding-Agenten wie Claude Code dabei können: Aus einer Forschungsidee und einem Datensatz schreiben sie eine Analyse und führen sie aus. Dann deuten sie die Ausgabe und überarbeiten die Analyse selbstständig.

Daraus ergibt sich, was dieses Kapitel unter nachprüfbar versteht. Abfrage und Rechnung liegen als Code vor. Wer an der Zahl zweifelt, liest den Code oder lässt ihn noch einmal laufen. Ob die Zahl stimmt, ist damit noch offen, und davon handelt der größte Teil des Kapitels, am Beispiel von Anthropics eigener Datenabteilung.

Wofür Claude Code sonst eingesetzt wird und wann Cowork allgemein die bessere Wahl ist, steht in Kapitel 07. Hier geht es um den einen Fall: aus Daten eine Auswertung, die man nachrechnen kann.

Wie verbreitet Auswertungen in Claude Code sind

Noch selten. Eine Studie des Herstellers (externe Seite, anthropic.com) über rund 400.000 Sitzungen von Oktober 2025 bis April 2026 ordnet jede Sitzung einer von neun Arbeitsweisen zu. Laut ihrer Abbildung zu den neun Arbeitsweisen entfallen über den ganzen Zeitraum 3 Prozent der Sitzungen auf Datenanalyse und 10 Prozent auf Dokumente und Präsentationen. Den Zuwachs nennt die Studie nur für beide zusammen. Ihr Anteil hat sich in diesen sieben Monaten ungefähr verdoppelt, von etwa 10 auf 20 Prozent der Sitzungen. Eingestuft hat jede Sitzung ein Modell, das ihr Transkript las. Der Hersteller hat also sein eigenes Produkt ausgewertet.

In der Forschung ist es für eine Minderheit schon Alltag. Befragt wurden 1.260 quantitativ arbeitende Sozi­al­wis­sen­schaftler im Februar und März 2026. 20 Prozent von ihnen nutzen regelmäßig einen Coding-Agenten auf der Kommandozeile, also öfter als einmal pro Woche. Von diesen nennen 86 Prozent Claude Code.

Die häufigste Verwendung ist Code für die Analyse quantitativer Daten, bei Agenten-Nutzern wie bei den übrigen KI-Nutzern. Die Angaben sind selbst berichtet, und gemeldet hatten sich Forschende für eine Studie mit Zugang zu Claude Max. Was das für die Zahlen bedeutet, steht auf der dritten Ebene.

Der Fall bei Anthropic

Anthropics Datenteam hat am 03.06.2026 beschrieben (externe Seite, claude.com), wie es Fragen aus dem Unternehmen an Claude abgibt. Dort laufen 95 Prozent der Anfragen zur Geschäfts­aus­wer­tung automatisiert über Claude, mit insgesamt rund 95 Prozent Treffsicherheit. Das sind Angaben des Herstellers über den Einsatz seines eigenen Produkts. Woran diese erste Treffsicherheit gemessen ist, sagt der Bericht an der Stelle nicht. Die übrigen Zahlen stammen aus Evals, also Prüffragen mit bekannter Antwort, die das Team selbst zusammengestellt hat.

Den größten gemessenen Sprung nennt der Bericht bei den Skills. Ein Skill ist in Claude Code ein Ordner mit Markdown-Dateien, den der Agent bei Bedarf liest. Ohne Skills lag die Treffsicherheit auf den eigenen Evals bei höchstens 21 Prozent. Mit Skills lag sie insgesamt durchgehend über 95 Prozent, in einzelnen Bereichen regelmäßig um 99 Prozent. Wie ein Skill lädt und warum seine Kurzbeschreibung entscheidet, wann er greift, erklärt Kapitel 17.

Wo die Fehler entstehen

Schwierig ist laut Bericht vor allem, eine Frage wie „aktive Nutzer“ der richtigen Tabelle, Spalte und Definition zuzuordnen. Gelingt das, wird die Ausführung samt SQL trivial. Drei Ursachen erklären nach Auskunft des Teams den weit überwiegenden Teil der falschen Antworten:

  • Mehrdeutigkeit: Für einen Begriff kommen Hunderte Felder in Frage, und der Agent wählt eines, das nicht passt.
  • Veraltung: Quellen, Definitionen und Schemata ändern sich laufend. Was der Agent darüber weiß, liefert dann Antworten, die knapp danebenliegen.
  • Nicht gefunden: Die richtige Angabe steht im Datenmodell, sauber beschrieben, und der Agent findet sie im großen Suchraum trotzdem nicht.

Was eine Auswertung nachprüfbar macht

Gegen die Mehrdeutigkeit setzt das Team einen Semantic Layer, eine Schicht mit festgelegten Kennzahlen. Der Agent ruft eine Funktion auf und bekommt eine Zahl, dieselbe, die jede andere Oberfläche im Unternehmen zeigt. Deckt keine festgelegte Kennzahl die Frage ab, schreibt Claude die Abfrage selbst. Für jede Auswertung gilt die Regel aus der Skill-Vorlage im Anhang des Berichts: Filter, Ein- und Ausschlüsse und den Datenstand offenlegen. Bei geschützten Daten gibt der Skill nur das SQL zurück, und der Nutzer führt es selbst aus.

Zwei Schritte kommen dazu. Vor der Antwort geht jede Abfrage an einen Gegenprüfer. Das ist ein Subagent mit dem Auftrag, ihre Annahmen anzugreifen. Wie Claude Code eine solche Teilaufgabe abgibt, steht in Kapitel 20. Und jede Antwort endet mit einer Herkunftszeile: aus welcher Stufe der Quellen die Zahl stammt, wie frisch die Daten sind und wem das Modell gehört.

Eine Grenze nennt der Bericht gleich zu Beginn. Beim Programmieren fangen Tests und Dokumentation viele Fehler ab. Bei einer Auswertung gibt es oft genau eine richtige Antwort. Beweisen lässt sie sich dabei auf keinem deterministischen Weg. Nachprüfbar heißt deshalb: Man sieht, wie die Zahl entstand, und kann den Weg wiederholen. Wie oft der Aufbau richtig liegt, schätzen die Evals. Eine falsche Antwort im Einzelfall schließen auch sie nicht aus, das sagt der Bericht selbst.

Was die Auswertung über Wochen verlässlich hält

Ein Skill beschreibt ein Datenmodell, und das Datenmodell ändert sich täglich. Ohne Pflege sank die Treffsicherheit auf den Evals des Teams binnen eines Monats von rund 95 Prozent beim Start auf rund 65 Prozent. Danach erst behandelte das Team die Pflege als technische Aufgabe. Wann das war, nennt der Bericht nicht.

Ein Skill beschreibt ein Datenmodell, das sich täglich ändert: ohne Pflege fiel die Treffsicherheit binnen eines Monats von rund 95 auf rund 65 Prozent, gepflegt wird im selben PR. Zwei Fälle untereinander, jeder mit zwei waagerechten Spuren, oben das Datenmodell, darunter der Skill, der es beschreibt. Jeder Strich ist eine Änderung, Zahl und Abstände der Striche sind schematisch. Im oberen Fall, ohne Pflege, ändert sich das Modell laufend, während der Skill veraltet. Die Treffsicherheit auf den Evals des Datenteams lag beim Start bei rund 95 Prozent und nach einem Monat bei rund 65. Im unteren, hervorgehobenen Fall liegt jede Skill-Änderung im selben PR wie die Modelländerung, zu sehen an der Verbindung zwischen den Spuren. Das gilt für rund 90 Prozent der PRs am Datenmodell. Rechts daneben ein Hook in der Code-Review, der jede Änderung an einem Berichtsmodell ohne Skill-Datei meldet. Angaben aus dem Bericht des Datenteams von Anthropic vom 03.06.2026, einen Erhebungszeitraum nennt er nicht. OHNE PFLEGE ändert sich täglich Datenmodell Skill veraltet beim Start: rund 95 % nach einem Monat: rund 65 % Treffsicherheit PFLEGE IM SELBEN PR Datenmodell Skill verbunden: Modell und Skill im selben PR bei rund 90 % der PRs am Datenmodell Code-Review-Hook meldet Änderung am Berichtsmodell ohne Skill-Datei Striche und Abstände schematisch. Evals des Datenteams, Bericht von Anthropic vom 03.06.2026.
Das Datenmodell ändert sich täglich. Ohne Pflege der Skills fiel die Treffsicherheit auf den eigenen Evals des Herstellers binnen eines Monats von rund 95 Prozent beim Start auf rund 65 Prozent. Inzwischen ändert bei rund 90 Prozent der Änderungen am Datenmodell derselbe PR auch einen Skill.

eigene Darstellung nach Anthropic, How Anthropic enables self-service data analytics with Claude, veröffentlicht am 03.06.2026; gemessen auf den Evals des Datenteams, einen Erhebungszeitraum nennt der Bericht nicht; Stand 12.10.2026

ZustandTreffsicherheit auf den Evals
ohne Skillshöchstens 21 Prozent
mit Skills, insgesamtüber 95 Prozent
beim Startrund 95 Prozent
nach einem Monat ohne Pflegerund 65 Prozent

Die Abhilfe ist eine Regel für die Ablage. Die Skill-Dateien liegen im selben Repository wie die Datenmodelle. Dieselbe Änderung, die ein Modell umbaut, zieht auch dessen Beschreibung nach. Ein Hook in der Code-Review meldet jede Änderung an einem Berichtsmodell, die keine Skill-Datei berührt. Rund 90 Prozent der Änderungen am Datenmodell enthalten inzwischen eine Änderung an einem Skill.

Wie Anthropics Datenteam seine Skills aktuell hält: Skill-Dateien im selben Repository wie die Datenmodelle, geändert im selben PR, überwacht von einem Hook. Links ein Rahmen für ein einziges Repository. Darin stehen in zwei Spalten die Datenmodelle und die Skills als Markdown-Dateien, jede Skill-Datei verbunden mit dem Modell, das sie beschreibt. Ein Paar ist hervorgehoben: Ändert sich ein Modell, ändert derselbe PR auch seine Beschreibung. Rechts der Weg einer Änderung am Berichtsmodell, die keine Skill-Datei berührt. Sie läuft durch einen Hook in der Code-Review, und der meldet sie. Darunter steht der Anlass, das Datenmodell ändert sich täglich, und das Ergebnis: Rund 90 Prozent der PRs am Datenmodell enthalten inzwischen eine Änderung an einem Skill. Angaben aus dem Bericht des Datenteams von Anthropic vom 03.06.2026. EIN REPOSITORY Datenmodelle Skills (Markdown) beschreibt ein PR ändert Modell und Beschreibung zusammen CODE-REVIEW Änderung am Berichtsmodell, keine Skill-Datei berührt Hook in der Code-Review meldet die Änderung Das Datenmodell ändert sich täglich. Rund 90 % der PRs am Datenmodell enthalten inzwischen eine Skill-Änderung. Nach dem Bericht des Datenteams von Anthropic vom 03.06.2026.
Skill-Dateien liegen im selben Repository wie die Datenmodelle. Derselbe PR ändert Modell und Beschreibung, und ein Hook in der Code-Review meldet jede Änderung an einem Berichtsmodell ohne Skill-Datei.

eigene Darstellung nach Anthropic, How Anthropic enables self-service data analytics with Claude, veröffentlicht am 03.06.2026; Stand 12.10.2026

Wo man anfängt

Für den Anfang nennt das Team drei Dinge:

  • eine Handvoll maßgeblicher Datensätze,
  • einige Dutzend Evals,
  • einen schlanken Skill, der den Weg zu den Daten beschreibt.

Sie bringen nach dieser Auskunft den größten Teil des Nutzens. Alles Weitere aus dem Bericht kam erst danach. Manches davon kann laut Team überzogen sein: wenn wenig Daten anfallen, nur wenige die Ergebnisse lesen oder das Datenmodell einfach bleibt.

Wann Cowork näher liegt

Bei Daten und Tabellen liefert der Economic Index vom Juni 2026 (externe Seite, anthropic.com) einen Gegenbefund. Er stuft ein, wie viel Claude in einer Sitzung selbst entscheidet, auf einer Skala von 1 bis 5. Bei 26 von 31 Arten von Ergebnissen ist dieser Wert in Claude Code höher als im Chat oder in Cowork. Die größte Ausnahme sind Daten und Tabellen, mit 3,09 in Chat und Cowork gegen 2,74 in Claude Code.

Rund 70 Prozent des Abstands erklärt der Bericht mit verschiedenen Aufgaben. In Chat und Cowork geht es öfter um Finanzmodelle und Dashboards, deren Aufbau Claude entwirft. In Claude Code geht es öfter um das Herausziehen und Etikettieren von Daten nach genauer Vorgabe. Gemessen ist dabei, wie viel Claude selbst entscheidet. Über die Richtigkeit der Ergebnisse sagt die Skala nichts.

Laut Produktseite (externe Seite, claude.com) ist Cowork für Wissensarbeit außerhalb des Programmierens gebaut, darunter Recherche, Analyse und das Erstellen von Dokumenten. Es liest und bearbeitet Excel-Dateien. Die Seite beschreibt auch den Fall: einen Ordner mit Exporten und Budgetdateien angeben und eine fertige Tabelle mit markierten Abweichungen zurückbekommen. Wer am Ende eine Tabelle braucht, die andere weiterbearbeiten, ist dort richtig. Wer eine Auswertung braucht, deren Rechnung als Code im Repository liegt und sich wiederholen lässt, arbeitet mit Claude Code.

Wie sich Claude Code und Cowork allgemein abgrenzen und was die Zusammenlegung von Cowork und Chat seit dem 16.09.2026 ändert, steht in Kapitel 07.

Quellen

7 Einträgealle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • Originalarbeiterreichbar

    How Anthropic enables self-service data analytics with Claude (externe Seite, claude.com)

    claude.comgeprüft 25.10.2026

    Bericht von Anthropic vom 03.06.2026 über die eigene Datenanalyse mit Claude und Skills. Er nennt Anteile und Treffsicherheit aus den eigenen Prüfläufen des Herstellers.

  • Datenerreichbar

    Agentic coding and persistent returns to expertise (externe Seite, anthropic.com)

    anthropic.comgeprüft 25.10.2026

    Studie von Anthropic vom 16.06.2026 über rund 400.000 Sitzungen in Claude Code von rund 235.000 Personen, Oktober 2025 bis April 2026. Sie ordnet die Sitzungen nach Aufgabenart, Arbeitsteilung und Erfolg. Ausgewertet hat der Hersteller sein eigenes Produkt, eingestuft hat ein Modell.

  • Datenerreichbar

    Coding agents in the social sciences (externe Seite, anthropic.com)

    anthropic.comgeprüft 25.10.2026

    Befragung von 1.260 Sozialwissenschaftlern im Februar und März 2026, veröffentlicht von Anthropic am 27.05.2026. Sie fragt, wer Coding-Agenten in der Forschung nutzt und wofür. Die Angaben sind selbst berichtet.

  • Datenerreichbar

    Anthropic Economic Index report: Cadences (externe Seite, anthropic.com)

    anthropic.comgeprüft 25.10.2026

    Bericht des Anthropic Economic Index vom 26.06.2026, Daten vom 10.04. bis 10.06.2026. Er stuft ein, wie selbstständig das Modell in einem Gespräch arbeitet, auf einer Skala von 1 bis 5, und vergleicht dieselben Aufgaben im Chat und in Claude Code. Eingestuft hat ein Modell des Herstellers; die Angaben zum Lernen sind Selbsteinschätzungen.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Claude Cowork (externe Seite, claude.com)

    claude.comgeprüft 25.10.2026

    Anthropics Produktseite zu Cowork, dem Agenten für Wissensarbeit außerhalb der Programmierung. Die Fragen und Antworten grenzen Cowork von Chat und von Claude Code ab; der Satz, Cowork laufe auf dem Desktop und im Web und mobil als Beta, ist älter als die Umstellung auf die Cloud vom 06.10.2026.

  • Originalarbeiterreichbar

    How Anthropic teams use Claude Code (externe Seite, claude.com)

    claude.comgeprüft 25.10.2026

    Bericht von Anthropic vom 24.07.2025 darüber, wie Abteilungen des Herstellers Claude Code einsetzen, von der Entwicklung bis zur Rechtsabteilung. Die Zahlen darin melden die Teams selbst, gemessen ist nichts.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Use Claude Code Desktop (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Referenz zum Reiter Code der Desktop-App: lokale, Cloud-, SSH- und WSL-Sitzungen, der Vergleich mit der Kommandozeile und die Funktionen, die nur dort laufen. Desktop und Kommandozeile teilen Einstellungen und CLAUDE.md, die Desktop-App arbeitet nur interaktiv.

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