Claude CodeKapitel 05 von 31

Kontext und Sitzungen

Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 8 Min. · Stand

Ein Sprachmodell merkt sich zwischen zwei Anfragen nichts. Claude Code schickt deshalb mit jeder Nachricht alles mit, was bisher geschehen ist: die Systemanweisung, die Angaben zum Projekt, jede frühere Nachricht samt den Ergebnissen der Werkzeuge und am Ende die neue Nachricht (Doku zum Prompt Caching (externe Seite, code.claude.com)). Neues hängt Claude Code hinten an. Der größte Teil jeder Anfrage gleicht also der vorigen.

Dieses Paket heißt Kontext. Es wächst mit jeder Frage, jeder gelesenen Datei und jeder Ausgabe eines Befehls. Wie viel hineinpasst, begrenzt das Kontextfenster des Modells. Dieses Kapitel beantwortet zwei Fragen: Wie bleibt der Kontext schlank, und wie knüpft man an die Arbeit von gestern an?

Jede Nachricht schickt den Verlauf mit

Wer über die Schnittstelle bezahlt, bezahlt nach verbrauchten Token (Kostenseite der Doku (externe Seite, code.claude.com)). Wer ein Abo hat, verbraucht mit denselben Token sein Kontingent. In beiden Fällen wächst der Verbrauch mit dem Kontext: Je mehr Claude verarbeitet, desto mehr Token fallen an.

Dabei bleibt es selten bei einer Anfrage je Nachricht. Jedes Mal, wenn Claude ein Werkzeug benutzt, geht eine weitere Anfrage hinaus, wieder mit dem ganzen Verlauf und den neuen Ergebnissen. Eine kurze Frage in einer Sitzung, die seit dem Morgen offen ist, verbraucht deshalb Token für das Gespräch des ganzen Tages. Ein Gespräch über eine längst erledigte Aufgabe kostet so bei jeder weiteren Nachricht mit (Kostenseite (externe Seite, code.claude.com)).

Damit der gleichbleibende Anfang des Verlaufs nicht jedes Mal neu verarbeitet wird, hält der Anbieter ihn eine Weile in einem Zwischenspeicher vor, dem Prompt Cache. Was von dort kommt, berechnet die Schnittstelle zu einem niedrigeren Satz. Vollständig verarbeitet wird nur, was sich geändert hat (Doku zum Prompt Caching (externe Seite, code.claude.com)). Wie lange der Speicher hält und was ihn entwertet, steht auf der zweiten Ebene.

Zwischen zwei Aufgaben leeren

Ist eine Aufgabe erledigt und beginnt eine andere, braucht der neue Auftrag den alten Verlauf selten. Bleibt er trotzdem stehen, nennt die Doku zum Kontextfenster (externe Seite, code.claude.com) zwei Folgen: Das alte Gespräch verdrängt die Dateien, die als Nächstes gebraucht werden, und es kostet bei jeder Nachricht Token.

Der Befehl /clear beginnt deshalb ein neues Gespräch mit leerem Kontext (Befehlsübersicht (externe Seite, code.claude.com)). /reset und /new tun dasselbe. Das Leeren selbst kostet nichts (Kostenseite (externe Seite, code.claude.com)).

Leer heißt hier: ohne den bisherigen Gesprächsverlauf. Die Projektanweisung aus der CLAUDE.md und das automatische Gedächtnis lädt Claude Code danach wieder, frisch von der Platte. Wer die CLAUDE.md mitten in der Sitzung geändert hat, arbeitet ab hier mit der neuen Fassung; vorher galt die vom Sitzungsbeginn (Doku zum Prompt Caching (externe Seite, code.claude.com)).

Das alte Gespräch bleibt gespeichert und lässt sich mit /resume zurückholen. Leichter findet man es mit einem Namen. /clear release-prep etwa beschriftet das Gespräch, das man gerade verlässt, in einem Schritt (Doku zu Sitzungen (externe Seite, code.claude.com)).

Wenn das Fenster voll wird

Lange Arbeit an einer einzigen Aufgabe füllt das Fenster trotzdem. Dafür hat Claude Code eine eigene Mechanik: Es verdichtet von selbst, sobald der Kontext sich der Grenze nähert, und die Sitzung läuft weiter (Doku zum Kontextfenster (externe Seite, code.claude.com)).

Verdichten heißt, Claude Code ersetzt den wörtlichen Verlauf durch eine Zusammenfassung, die ins Fenster passt. Von Hand geht das mit /compact, auf Wunsch mit einer Vorgabe dahinter, etwa /compact focus on the auth bug fix. Dann behält die Zusammenfassung, was man selbst gewählt hat. Ohne Vorgabe schätzt der automatische Lauf, was wichtig ist.

Ein zweiter Weg hält das Fenster schlank, bevor es voll wird: Große Leseaufträge gehen an einen Subagent. Der liest in seinem eigenen Kontextfenster, und zurück kommt nur seine Zusammenfassung (Doku zum Kontextfenster (externe Seite, code.claude.com)).

Was eine Zusammenfassung behält, was danach frisch von der Platte kommt und was verloren geht, erklärt Vibe-Coding / Agentic Engineering, Kapitel 05 ausführlich. Für den Alltag genügt eine Faustregel aus der Befehlsübersicht (externe Seite, code.claude.com): /clear, wenn eine neue Aufgabe beginnt, /compact, wenn dieselbe Aufgabe weitergehen soll und nur Platz fehlt. Die Doku zum Prompt Caching (externe Seite, code.claude.com) rät außerdem, /compact an eine ruhige Stelle zu legen, etwa zwischen zwei Teilaufgaben. Dann bestimmt man selbst, wann der Aufwand dafür anfällt.

Drei Wege mit einem langen Verlauf, je als Fenster vorher und nachher: /clear, /compact und claude --continue. Drei Spalten, jede mit zwei Fenstern. Links steht jeweils dasselbe volle Fenster: unten der Sockel aus CLAUDE.md und automatischem Gedächtnis, darüber der Verlauf. Rechts der Zustand danach. Nach /clear steht nur der Sockel im Fenster, der Verlauf geht als gestrichelter Weg in eine gespeicherte Datei. Nach /compact steht über dem Sockel ein kurzer Block, die Zusammenfassung. Nach claude --continue am nächsten Tag steht derselbe Verlauf wieder im Fenster. /clear neue Aufgabe bleibt gespeichert /compact dieselbe Aufgabe, ruhige Stelle Zusammenfassung statt Verlauf claude --continue am nächsten Tag derselbe Verlauf wieder da Verlauf Sockel: CLAUDE.md und automatisches Gedächtnis
Drei Wege mit einem langen Verlauf. Nach /clear bleibt die Projektanweisung im Fenster und das alte Gespräch auf der Platte. Die Größen der Blöcke sind schematisch.

eigene Darstellung nach der Her­stel­ler­do­ku­men­ta­tion, Stand 10.10.2026

Eine Sitzung am nächsten Tag fortsetzen

Ein Gespräch bleibt beim Beenden von Claude Code erhalten. Die Doku zu Sitzungen (externe Seite, code.claude.com) nennt es Sitzung: ein gespeichertes Gespräch, das zu einem Projektordner gehört. Claude Code schreibt es während der Arbeit fortlaufend in eine Datei auf der eigenen Platte, auch über ein /clear hinweg. So lässt sich dort weitermachen, wo man aufgehört hat, ein anderer Ansatz in einem Zweig ausprobieren oder zwischen Aufgaben wechseln.

Gespeichert wird je Projektordner. Wer am nächsten Morgen im selben Ordner claude --continue startet, ist wieder im letzten Gespräch. claude --resume öffnet stattdessen eine Auswahl aller Sitzungen dieses Ordners.

Die Auswahl zeigt jede Sitzung in einer Zeile: mit Titel, der Zeit seit der letzten Aktivität, dem Git-Branch und der Größe der Datei. Ohne eigenen Namen erzeugt Claude Code den Titel selbst, ein kleines, schnelles Modell fasst dafür die erste Eingabe kurz zusammen. Wer viele Sitzungen im selben Ordner hat, vergibt besser selbst einen Namen, beim Start mit claude -n oder unterwegs mit /rename. Die Doku rät dazu vor allem, wenn mehrere Aufgaben parallel laufen (Doku zu Sitzungen (externe Seite, code.claude.com)).

Mit dem Namen geht auch claude --resume <name> direkt in die Sitzung. Was eine lange Pause dabei kostet und warum Claude Code nach einer Stunde nachfragt, steht auf der zweiten Ebene.

Quellen

10 Einträge, davon 1 Schlüsselarbeitalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitDokumentationerreichbar

    Anthropic, How Claude remembers your project (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerdokumentation zur Projektanweisung und ihren Geltungsbereichen. Sie ist die Quelle für den Satz, auf dem dieses Kapitel steht: Die Datei ist Kontext, keine durchgesetzte Konfiguration, wer etwas verbindlich verhindern will, braucht einen Hook. Dazu die Ladereihenfolge über vier Ebenen, die Größenempfehlung von 200 Zeilen und die Auskunft, dass Claude Code seit Version 2.1.277 auch AGENTS.md selbst liest, standardmäßig aber nur, wenn keine CLAUDE.md im Projekt liegt. Sie belegt außerdem, dass die Datei beim ersten Mal vom Werkzeug erzeugt wird, und beschreibt daneben das zweite Gedächtnis: Notizen, die der Agent sich selbst anlegt, je Repository unter einem eigenen Verzeichnis, maschinenlokal, und beim Start geladen bis zur Grenze von 200 Zeilen oder 25 Kilobyte.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Prompt caching in Claude Code (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerdokumentation zum Prompt Caching in Claude Code. Jede Anfrage schickt den ganzen Verlauf erneut, und der Anbieter liest den unveränderten Anfang aus dem Zwischenspeicher. Die Seite nennt, welche Handlungen diesen Speicher entwerten, etwa ein Modellwechsel oder das Verdichten, und was das Verdichten selbst kostet. Sie nennt außerdem die Lebensdauer: eine Stunde für das Hauptgespräch in einem Abo innerhalb der enthaltenen Nutzung, sonst fünf Minuten. Stand 10.10.2026.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Manage costs effectively (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerdokumentation zu Kosten in Claude Code: Verbrauch verfolgen, Ausgabegrenzen für Teams setzen und Token sparen. In Unternehmen liegen die Kosten laut Anthropic im Mittel bei rund 13 Dollar je Entwickler und aktivem Tag und bei 150 bis 250 Dollar im Monat, für 90 Prozent der Nutzer unter 30 Dollar je aktivem Tag.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Commands (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerreferenz aller Befehle in Claude Code, eingebaute Befehle wie mitgelieferte Skills. Sie erklärt, dass ein Befehl nur am Anfang einer Nachricht erkannt wird, der Rest als Argument gilt, und dass Befehle während einer laufenden Antwort in die Warteschlange kommen.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Explore the context window (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerseite zum Kontextfenster, aufgebaut als begehbare Simulation einer Sitzung. Sie belegt, dass das Verdichten das Gespräch durch eine strukturierte Zusammenfassung ersetzt (Ereignis „/compact“ der Simulation). Ebenfalls von dort die Ausnahme, dass die Liste der verfügbaren Skills als einziger Teil des Startinhalts nach dem Verdichten nicht erneut eingesetzt wird; erhalten bleiben nur die tatsächlich aufgerufenen. Sie belegt außerdem, dass die Startfüllung ohne Zutun geschieht: CLAUDE.md, automatisches Gedächtnis, die Namen der MCP-Werkzeuge und die Beschreibungen der Skills laden in den Kontext, bevor man etwas tippt. Die Umgebungsangaben stehen in der begehbaren Simulation als eigener Posten „Environment info“ mit 280 Token und der Kennzeichnung auto: Arbeitsordner, Plattform, Shell, Version des Betriebssystems und ob ein Git-Repository vorliegt; Branch, Status und letzte Commits laden als eigener Block. Nach dem Verdichten liest das Werkzeug diesen Block frisch, dazu bis zu fünf zuletzt geänderte Dateien der Sitzung (Tabelle „What survives compaction“, Stand 09.10.2026). Dieser Text liegt in den Daten der Simulation und wird erst beim Anklicken des Punktes sichtbar, deshalb ist er nicht als Zitat hinterlegt.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Manage sessions (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerdokumentation zu Sitzungen in Claude Code: benennen, fortsetzen mit --continue, --resume oder --from-pr, verzweigen und wechseln, dazu Export der Verläufe und der Speicherort der Transkripte. Eine Sitzung ist ein gespeichertes Gespräch, das an ein Projektverzeichnis gebunden ist.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Manage sessions (Archivfassung vom 15.10.2026) (externe Seite, web.archive.org)

    web.archive.orggeprüft 25.10.2026

    Die Sitzungsdoku von Claude Code in der Fassung vom 15.10.2026. Sie beschreibt den Dialog beim Fortsetzen einer ruhenden Sitzung: Bei einem Pro- oder Max-Abo, mehr als etwa einer Stunde Pause und über 100.000 Token fragt Claude Code, ob es aus einer Zusammenfassung oder mit dem vollen Verlauf weitergehen soll.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Claude Code changelog (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Versionsliste von Claude Code mit Neuerungen, Verbesserungen und Fehlerbehebungen je Fassung, erzeugt aus der Datei CHANGELOG.md im GitHub-Repository. Jede Fassung steht mit ihrem Erscheinungsdatum da, am 09.10.2026 zuoberst 2.1.296 vom selben Tag.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Claude Code Changelog 2.1.211 (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Der Eintrag zur Fassung 2.1.211 von Claude Code vom 15.07.2026 in der Versionsliste. Als behobener Fehler steht dort, dass /clear den Kostenzähler der Sitzung bis dahin nicht zurücksetzte; seither beginnt er nach /clear wieder bei null. Der Wortlaut enthält Befehlsnamen in Codeschrift und einen Gedankenstrich, deshalb ist er nicht als Zitat hinterlegt.

  • Dokumentationerreichbar

    Anthropic, Model configuration (externe Seite, code.claude.com)

    code.claude.comgeprüft 25.10.2026

    Die Herstellerdokumentation zur Modellwahl in Claude Code: Aliase und ihre Fassungen je Zugang, die Rangfolge der Einstellungen, opusplan, die Effort-Stufen und ihre Reihenfolge, Ausweichmodelle bei Überlast und bei Sicherheitsfiltern, das Fenster von einer Million Token und die Schwelle, an der automatisch verdichtet wird. Ohne eigene Einstellung verdichten Modelle mit einem Fenster von einer Million Token bei rund 967.000 Token, ältere Modelle ohne erweitertes Fenster an der Grenze von 200.000. Selbst setzen lässt sich die Schwelle mit /autocompact, zwischen 100.000 Token und einer Million. Stand 11.10.2026.

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